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Eine Chronologie der Milzbrandbriefe |
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15. August 2002
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![]() Die Chronologie können Sie in formatierter Form hier herunterladen, entweder als Doc.Datei (70KB) oder als pdf-Datei (242 KB)
Insgesamt sind fünf Menschen an einer Milzbrandinfektion gestorben. Nach Angaben der CDC waren 6 weitere Personen an Lungenmilzbrand und 11 weitere Personen an Hautmilzbrand (7 bestätigte und 4 Verdachtsfälle) erkrankt. Eine detaillierte Liste der Opfer findet sich am Ende dieser Chronologie. Die Briefe enthielten ca. 1 Gramm Milzbrandsporen in einer Konzentration von ca. 1 Billion Sporen je Gramm. Die Partikel waren ca. 1 Mikrometer (ein tausendstel Millimeter) groß, während die Poren in den Briefumschlägen ca. 10 Mikrometer Durchmesser hatten. Durch diese Poren konnten die Sporen auf dem Postweg entweichen, insbesondere bei der mechanischen Beanspruchung in den automatischen Anlagen der Postverteilstellen. Vier der fünf Todesfälle gehen darauf zurück. Im Mittelpunkt der Ermittlungen steht derzeit der ehemalige Biowaffen-Forscher Steven J. Hatfill. Im Anhang an diese Chronologie findet sich eine kurze Zusammenfassung von Fakten und Gerüchten über Hatfill. Chronologie 11. September Ein Team aus Biowaffen-Experten wird nach New York geschickt, findet jedoch am World Trade Center keine Hinweise auf einen möglichen Biowaffen-Einsatz 16. September Sprühflugzeuge in den USA erhalten für kurze Zeit Startverbot, nachdem Informationen über landwirtschaftliche Flugzeuge in den Hinterlassenschaften der Attentäter vom 11. September gefunden werden. 18. September Poststempel der Milzbrandbriefe an die New York Post und Tom Brokaw, den "anchorman" des Fernsehsenders NBC
25. September Erste Symptome von Hautmilzbrand bei der Mitarbeiterin von Tom Brokaw beim Fernsehsender NBC. 30. September Erste Symptome bei Bob Stevens, Fotoredakteur bei American Media in Florida 1. Oktober Ernesto Blanco, Mitarbeiter in der Poststelle von American Media, geht ins Krankenhaus und wird auf Lungenentzündung behandelt 2. Oktober Bob Stevens wird in Krankenhaus eingeliefert, die lokalen Gesundheitsbehörden werden über Milzbrandverdacht informiert 4. Oktober Diagnose Lungenmilzbrand bei Bob Stevens, CDC informiert Öffentlichkeit 5. Oktober Bob Stevens stirbt in Boca Raton, Florida; bei seinem Kollegen Ernesto Blanco wird in einem Nasenabstrich Anthrax gefunden, später wird dann Lungenmilzbrand diagnostiziert. Noch wird spekuliert, dass es sich um eine natürliche Infektion handeln könnte, allerdings ist der letzte Fall von Lungenmilzbrand in den USA 1976 aufgetreten. 5. Oktober Wieder werden zwei Drohbriefe, die weißes Pulver enthalten und den echten Milzbrandbriefen täuschend ähnlich sehen, in St. Petersburg, Florida, aufgegeben. Diesmal sind sie an die New York Times und die St. Petersburg Times adressiert. 6. Oktober Die New Yorker Gesundheitsbehörden werden von einer möglichen Anthrax-Infektion bei der Mitarbeiterin von Tom Brokaw informiert.
7. Oktober Das Gebäude von American Media wird geschlossen, das FBI übernimmt die Ermittlungen. 8. Oktober Auf der Computertastatur von Bob Stevens werden Sporen gefunden. 9. Oktober Poststempel der Briefe an die Senatoren Dashle und Leahy. 9. Oktober CDC wird von New Yorker Gesundheitsbehörden über Hautmilzbrandverdacht informiert 9. Oktober Zeitungen bringen das Thema auf den Titelseiten und thematisieren Anschlagsverdacht. Es wird berichtet, dass Attentäter vom 11. September in Lantana, Florida, gewohnt haben, nur wenige Kilometer von Bob Stevens Wohnort entfernt. 12. Oktober Die Erkrankung der Mitarbeiterin des NBC-Reporters Tom Brokaw wird als Hautmilzbrand diagnostiziert. Noch wird spekuliert, ob sich um einen Zufall handeln könnte. 13. Oktober Der Milzbrandbrief wird als Ursache für die Erkrankung der NBC-Mitarbeiterin gefunden. Damit gilt der Verdacht auf einen Anschlag als bestätigt. 15. Oktober Der Milzbrand-Brief an Senator Dashle wird gefunden; alle Post ans Kapitol wird nicht weiter bearbeitet, Besuchertouren werden eingestellt. 15. Oktober Sporen finden sich im Postamt von Boca Raton; bis heute ist zwar kein Brief mit Milzbrandsporen gefunden worden, der für die Infektionen bei American Media in Florida verantwortlich sein könnte, doch führt eine Spur von Sporen deutlich durch die entsprechenden Postämter in Florida. 15. Oktober US Gesundheitsminister Tommy Thompson spricht erstmals davon, dass der Anschlag auch von innen kommen könnte. Die New York Times vom 15. Oktober zitiert ihn mit den Worten: "Is it Al Qaeda? We don't know. It could be a domestic source. It could be somebody holding a grudge." 16. Oktober Das Pulver im Dashle Brief wird als virulente Anthrax-Form identifiziert 16. Oktober Der Post wird vom CDC mitgeteilt, dass kein Risiko besteht. "whatever was sealed in the envelope was sealed". Drei Mitarbeiter der Postverteilstelle Brentwood in Washington, Leroy Richmond, Thomas Morris und Josef Curseen, erkranken. 17. Oktober Der Kongress wird geschlossen 18. Oktober CDC bestätigt Milzbrand-Diagnose bei der Postmitarbeiterin aus New Jersey. Trotzdem erklärt das CDC, das für die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der Postverteilstelle Brentwood in Washington kein Risiko bestehe. 19. Oktober Postamt und Briefverteilzentrum in Trenton, New Jersey, werden geschlossen, die Angestellten bekommen Antibiotika. In Brentwood wird den Arbeitern ein freiwilliger Anthrax-Test angeboten. 19. Oktober Der Chef der Behörde für Homeland Security, Tom Ridge, sagt, dass die Milzbrandstämme in den verschiedenen Briefen nicht unterscheidbar sind. 21. Oktober Bei Brentwood Mitarbeiter Leroy Richmond wird Milzbrand bestätigt; sein Kollege Thomas Morris kommt ins Krankenhaus und stirbt wenig später. Ein dritter Brentwood-Kollege, Josef Curseen, geht es bei der Arbeit zusehends schlechter, er geht ins Krankenhaus. 22. Oktober Josef Curseen stirbt an Lungenmilzbrand 23. Oktober Im Postzentrum des Weißen Hauses werden Sporen gefunden 31. Oktober Kathy Nguyen, eine 61jährige Krankenschwester aus New York stirbt an Lungenmilzbrand. Sie war am 25. Oktober erkrankt und am 28. ins Krankenhaus gekommen. Sie hatte New York seit mehr als fünf Jahren nicht verlassen. An ihrem Arbeitsplatz und in ihrer Wohnung werden keine Milzbrandsporen gefunden. Es bleibt unklar, wie sie sich angesteckt hat. Allerdings mehren sich jetzt unter Wissenschaftlern die Stimmen, die darauf hinweisen, dass nicht zwangsläufig mindestens 8000 Sporen eingeatmet werden müssen, um Lungenmilzbrand auszulösen. Es wird vermutet, dass bei sehr anfälligen Menschen auch einzelne Sporen die Krankheit auslösen können. Diese Sporen könnten z.B. über eine Kontamination der Post zu Kathy Nguyen gelangt sein. 1. November Das US-Außenministerium lehnt eine Resolution zur Verurteilung der Anthrax-Attentäter im UN-Sicherheitsrat mit der Begründung ab, dass es sich auch um einen amerikanischen Täter handeln könnte. 9. November Das FBI veröffentlicht ein Profil des Täters. Er wird als männlicher Einzelgänger, wahrscheinlich mit einer wissenschaftlichen Ausbildung, beschrieben, der sich seit langem mit einem Groll herumträgt. Damit legt sich das FBI erstmals öffentlich auf einen Einzeltäter und gegen eine Verbindung zum organisierten Terrorismus fest. Das Profil lässt jedoch offen, ob es sich bei dem Täter um einen Amerikaner oder einen Ausländer handelt. 12. November Erstmals äußert die Biologin Barbara Hatch-Rosenberg von der Federation of American Scientists den Verdacht, dass es sich bei dem Täter um einen Mitarbeiter der US-amerikanischen Biowaffen-Abwehrforschung handeln könnte und dass die Sporen in einem staatlichen Labor produziert wurden. 16. November Der Brief an Senator Leahy wird gefunden, inmitten der Post, die nach dem Fund des Dashle-Briefs in Quarantäne gekommen war.
9. November Das FBI gerät zunehmend in die Kritik, die New York Times veröffentlicht einen langen Artikel, in dem unter anderem kritisiert wird, dass erst zögerlich der Kontakt zu den einschlägigen Wissenschaftlerkreisen aufgenommen wird. 21. November Die 94jährige Ottilie Lundgren in Oxford, Connecticut, stirbt an Lungenmilzbrand. Auch bei ihr werden keine Milzbrandsporen gefunden. Ähnlich wie bei Kathy Nguyen in New York bleibt die Quelle ihrer Infektion im Dunkeln. Später wird nur wenige Kilometer entfernt ein Brief gefunden, an dem außen noch Milzbrandsporen anhaften. Es konnte festgestellt werden, dass dieser Brief genau 20 Sekunden nach dem Leahy-Brief durch eine Postsortiermaschine in Hamilton, New Jersey, gerauscht ist und dort wahrscheinlich die Sporen aufgenommen hat. 6. Dezember Nach dreiwöchigen Vorbereitungen wird der Leahy-Brief geöffnet. Es beginnen umfangreiche Untersuchungen der darin enthaltenen Milzbrandsporen. Es werden genau 0,871 Gramm Milzbrandsporen aus dem Brief gewonnen. Bis heute gibt es nur widersprüchliche Angaben darüber, ob und wenn ja, wie die Sporen chemisch behandelt wurden.
8. Dezember Senator Dashle sagt in einem Interview, dass ihm wahrscheinlich jemand aus dem militärischen Bereich den Milzbrandbrief geschickt habe. Niemand könne sicher sagen, dass ein amerikanischer Täter dahinter stecke, aber "wenngleich wir alle Möglichkeiten verfolgen ist diese eine zur Zeit die glaubwürdigste". (AFP, 9. Dezember) 12. Dezember Erstmals gesteht ein hochrangiger Beamter der US-Regierung öffentlich ein, dass die Milzbrandbriefe sehr wahrscheinlich aus Amerika selbst kommen. Tom Ridge von der Behörde für Homeland Security sagt in einem Interview mit Jim Lehrer in der PBS NewsHour: "I think a lot of the information and a lot of the things they've been able to detect from the investigation and follow-up leads they're looking more inward to a domestic source." 12. Dezember Die Baltimore Sun berichtet, dass auf dem "Dugway Proving Ground", einem Testgelände der US-Armee in Utah, seit mehreren Jahren auch getrocknete Milzbrandsporen von der Art, wie sie in den Briefen gefunden wurden, hergestellt wurden.
17. Dezember Ari Fleischer, der Sprecher des Weißen Hauses, erklärt, dass die Hinweise mehr und mehr auf eine hausgemachte Quelle hindeuten. Im täglichen Pressebriefing sagte er: "There is nothing that has been final that has been concluded. But the evidence is increasingly looking like it was a domestic source." 19. Dezember Ca. 3000 Angestellten der betroffenen Medienkonzerne und der Post wird auf freiwilliger Basis eine Milzbrand-Impfung angeboten, um die vorsorglich verschriebenen Antibiotika absetzen zu können. 22. Dezember Die New York Times zitiert FBI-Beamte, nach denen zu Beginn der Ermittlung nach Spuren in Richtung Irak gesucht wurde. Trotz intensivster Suche wurde nicht der leiseste Hinweis gefunden: "We looked for any shred of evidence that would bear on this, or any foreign source," a senior intelligence official said of an Iraq connection. "It's just not there." 22. Januar Auch die neuesten genetischen Untersuchungen an Milzbrandsporen aus den Briefen und verschiedenen US-Laboratorien bringen keine letztendliche Sicherheit darüber, aus welchem Labor die Milzbrandsporen stammen. 23. Januar Auf einer Pressekonferenz verkündet das FBI, dass der Schlüssel zum Fall in New Jersey in der Gegend um Trenton liege. Der Attentäter habe dort entweder gewohnt, gearbeitet oder andere enge Verbindungen gehabt. Die Belohnung wird auf 2,5 Millionen US-Dollar erhöht, in der Gegend um Trenton verteilt das FBI 500.000 Fahndungs-Flugblätter. 29. Januar Es stellt sich heraus, dass der Ames-Stamm gar nicht aus Iowa stammt, sondern ursprünglich von einer an Milzbrand gestorbenen Kuh in Texas. 5. Februar Prof. Barbara Rosenberg veröffentlicht eine neue Analyse des Falles und wirft dem FBI vor, die Ermittlungen zu verschleppen. 12. Februar Nach Angaben von FBI-Beamten stehen jetzt militärische Laboratorien in den USA im Zentrum der Untersuchung. Das berichtet das Wall Street Journal 25. Februar Die Washington Times veröffentlicht einen Artikel, in dem ein Hauptverdächtiger im Detail beschrieben wird. Dabei handelt es sich unzweifelhaft um Steven Hatfill, der Name wird in dem Artikel jedoch nicht genannt. Später wird Hatfill erklären, dass er erstmalig im Februar von einem Reporter angerufen und beschuldigt wurde, der Attentäter zu sein. 26 Februar Das FBI erklärt, den Verdacht auf eine Liste von 18-20 Personen eingeengt zu haben, bestreitet aber, einen zentralen Hauptverdächtigen zu haben. 14. März In einem BBC-Interview äußert Prof. Barbara Rosenberg den Verdacht, dass der Täter möglicherweise im Auftrag der US-Regierung damit befasst war, die Gefährdung durch Milzbrandbriefe zu untersuchen und dann beschlossen habe, die dabei gewonnene Expertise für seine eigenen Zwecke zu missbrauchen. 19. April In einem Flur von USAMRIID, der Zentrale der medizinischen B-Waffen-Abwehrforschung in Fort Detrick, Maryland, wird eine Kontamination mit Milzbrand entdeckt. Dies verdeutlicht einmal mehr die Schlampereien in dem Institut, in dem mit den gefährlichsten aller Erreger gearbeitet wird. Im Zuge der Ermittlungen war zuvor z.B. bekannt geworden, dass dort sehr laxe Sicherheitsvorschriften gelten, dass in den 1990er Jahren Proben gefährlicher Erreger verschwunden sind oder dass nachweislich einzelne Wissenschaftler heimlich nachts in den Laboratorien gearbeitet haben.
9. Mai Das Wissenschaftsmagazin Science veröffentlicht eine Studie zum genetischen Fingerabdruck verschiedener Milzbrandproben. Da hier neben den Sporen aus den Briefen nur einige wenige Laborstämme mit untersucht wurden, gibt auch diese Studie keinen Aufschluss darüber, aus welchem Labor die Sporen in den Briefen stammen. Es wird zwar eine genetische Identität mit einem Stamm aus dem USAMRIID-Labor bestätigt, doch ist nicht ausgeschlossen, dass eine vergleichbare Ähnlichkeit auch zu Milzbrandstämmen in anderen Labors besteht. 14. Mai Eine Studie kommt zu dem Schluss, dass durch Kreuzkontamination auf dem Postwege ca. 5000 weitere Briefe mit Milzbrandsporen kontaminiert wurden. Es wird für wahrscheinlich gehalten, dass auf diesem Wege auch die beiden letzten Opfer, Kathy Nguyen in New York und Ottilie Lundgren in Connecticut, infiziert wurden. 13. Juni Prof. Barbara Rosenberg veröffentlicht eine neue Analyse des Falles, in der sie eine umfassende Beschreibung des möglichen Täters abgibt. Dabei handelt es sich unzweifelhaft um Steven Hatfill, dessen Namen sie jedoch aus rechtlichen Gründen nicht nennt. Nach ihren Angaben ist der Name des Hauptverdächtigen einigen investigativen Reportern sowie verschiedenen Insidern aus dem amerikanischen Biowaffen-Programm seit längerem bekannt. 22. Juni Die New York Times berichtet, dass die Milzbrandsporen in den Briefen frisch produziert wurden und nicht älter als zwei Jahre sind. Dies hätten wissenschaftliche Untersuchungen (radiocarbon dating) ergeben.
12. Juli Das FBI weist die Kritik der New York Times zurück und berichtet, dass bislang 4500 Befragungen durchgeführt worden seien und Wissenschaftler von 90 Laboratorien an der Untersuchung beteiligt seien. 29. Juli Die Postverteilstelle Brentwood in Washington ist immer noch geschlossen, die Arbeiten zur Dekontaminierung beginnen. 1. August Das Haus von Steven Hatfill wird erneut durchsucht, diesmal mit einem Durchsuchungsbefehl. Offiziell nennt das FBI Hatfill jedoch noch immer keinen Verdächtigen und spricht davon, dass er einer von ca. 50 Personen auf einer Liste sei. Am 12. August berichtet Newsweek, dass Spürhunde, die auf den Geruch der Milzbrandbriefe trainiert waren, bei Hatfill angeschlagen hätten. Dies sei der Grund für den Durchsuchungsbefehl gewesen. 11. August Steven Hatfill tritt vor die Presse und verliest ein Statement, in dem er alle Beschuldigungen zurückweist. 12. August In einem Briefkasten in Princeton, New Jersey, in unmittelbarer Nachbarschaft zur Princeton University, werden Milzbrandsporen entdeckt. Die Tests wurden durchgeführt, nachdem Anwohner beobachtet hatten, dass verdächtige Personen (z.B. mit Gummihandschuhen) Briefe eingeworfen hätten. In den Folgetagen befragt das FBI Anwohner und zeigt ihnen Fotos von Hatfill. Der Zusammenhang zu den Briefen im letzten Herbst ist unklar. 12. August Die New York Times berichtet, dass Hatfill seit Januar bei drei Lügendetektor-Tests durchgefallen sei und einen vierten Test, der für Ende Juli geplant war, nicht durchgeführt hat. Allerdings behauptete Hatfill in seiner Erklärung vom Vortag, dass das FBI ihm mitgeteilt habe, dass er einen Lügendetektor-Test im vergangenen Herbst im Zusammenhang mit den Milzbrandbriefen bestanden habe. 13. August Zunehmend wird in den Medien darüber spekuliert, ob Hatfill möglicherweise doch der Falsche ist. Es werden Parallelen gezogen zu Richard Jewell, der 1996 von den Behörden öffentlich ins Zentrum der Ermittlungen zum Bombenanschlag auf den Olympiapark in Atlanta gezerrt wurde und sich später als unschuldig herausstellte. Es bleibt festzuhalten, dass es bislang - zumindest öffentlich bekannt - keinen einzigen handfesten Beweis dafür gibt, dass Steven Hatfill der Milzbrand-Attentäter ist. 14. August AP berichtet, dass nach FBI-Angaben Hatfills Wohnung die einzige ist, die mit einem richterlichen Befehl durchsucht wurde. Außerdem habe das FBI Hatfills Reisedokumente beschlagnahmt. Die Opfer Anfang November hat das CDC einen Überblick über die bis dato infizierten Personen veröffentlicht. Rechnet man die danach noch gestorbene Ottilie Lundgren hinzu, wurden insgesamt 22 Personen infiziert, davon elf Personen mit Hautmilzbrand und elf mit Lungenmilzbrand, von denen fünf gestorben sind. Die Zahlen der Opfer variieren in verschiedenen Darstellungen, da das CDC bei vier Fällen von Hautmilzbrand nur von einem "verdächtigen", nicht aber einem nach den Kriterien der CDC "bestätigten" Fall spricht. Im März 2002 ist noch eine weitere Person an Hautmilzbrand erkrankt, dabei handelt es sich um einen Laboranten in Texas, der mit der Untersuchung von Milzbrandproben befasst war. In der folgenden Tabelle sind Details zu den Personen aufgeführt, die an Lungenmilzbrand erkrankt waren. Beginn der Erkrankung, Wo, Wer, Verlauf 24. September, Florida, Mann, 73, Jahre, Arbeiter in der Poststelle von American Media, Am 23. Oktober aus dem Krankenhaus entlassen 2. Oktober, Florida, Mann, 63 Jahre, Photoredakteur bei American Media, Gestorben am 5. 10. 14. Oktober, Hamilton, New Jersey Frau, 56 Jahre, Postarbeiterin, Am 5. November aus dem Krankenhaus entlassen 15. Oktober, Hamilton, New Jersey, Frau, 43 Jahre, Postarbeiterin, Am 26. Oktober aus dem Krankenhaus entlassen 16. Oktober,, Washington Mann, 56 Jahre, Postarbeiter, Bis November im Krankenhaus 16. Oktober, Washington, Mann, 56 Jahre, Postarbeiter, Am 9. November aus dem Krankenhaus entlassen 16. Oktober, Washington, Mann, 55 Jahre, Postarbeiter, Gestorben am 21. 10. 16. Oktober, Washington, Mann, 47 Jahre, Postarbeiter, Gestorben am 22. 10. 22. Oktober, Washington, Mann, 59 Jahre, Mitarbeiter in der Poststelle des US Außenministeriums, Am 9. November aus dem Krankenhaus entlassen 25. Oktober, New York, Frau, 61 Jahre, Krankenschwester Gestorben am 31. 10. 13. November Oxford, Connecticut Frau, 94 Jahre Gestorben am 21. 11. Informationen über Steven J. Hatfill Steven J. Hatfill gilt derzeit als ein möglicher Absender der Milzbrandbriefe in den USA, auch wenn das FBI ihn öffentlich noch nicht als Verdächtigen bezeichnet und wenn es bislang kein einziges überzeugendes Beweisstück gegen ihn gibt. Die folgenden Informationen, Fakten und Gerüchte über Steven J. Hatvill stammen größtenteils aus US-amerikanischen Medienberichten. Die Informationen sind zum Teil widersprüchlich oder unklar, da Hatfill nach übereinstimmenden Angaben zum Teil auch falsche Angaben in seinen Lebensläufen gemacht hat. Insofern sind die folgenden Daten zwar nach bestem Wissen und Gewissen zusammengestellt, sie können jedoch an einzelnen Punkten fehlerhaft sein. Berufliches Hatfill ist amerikanischer Staatsbürger, geboren am 24. Oktober 1953. Von 1978 an studierte er Medizin an der Godfrey Huggins Medical School im früheren Rhodesien (seit 1980: Zimbabwe). Danach hat er nach eigenen Angaben unter anderem an südafrikanischen Universitäten studiert bzw. gearbeitet und 14 Monate als Arzt in der Antarktis gearbeitet. Von 1994-95 hat er an der Oxford Universität in England gearbeitet, danach in den USA am National Institute of Health. Vom 18. September 1997 bis 1999 hat er im USAMRIID in Fort Detrick, Maryland, in der Ebola-Forschung gearbeitet. Dort wurde er nach vereinzelten Medienberichten entlassen/gefeuert, dies konnte jedoch nicht bestätigt werden. Seit 1999 hat er für den "defense contractor" Science Applications International Corp (SAIC) in McLean, Virginia, gearbeitet. Am 23. August letzten Jahres hat das Verteidigungsministerium Hatfill die "security clearance" entzogen. Im März 2002 hat sein Arbeitgeber SAIC ihn entlassen. Formal wird dies von SAIC-Mitarbeitern damit begründet, dass Hatfill keine ausreichende "security clearance" mehr besaß und es nicht geschafft hat, sie sich wieder zu beschaffen. Möglicherweise - aber das ist reine Spekulation - steht der Entzug der security clearance im Zusammenhang mit einem nicht bestandenen Lügendetektor-Test. Nach unbestätigten Angaben war er dort durchgefallen, weil seine Antworten zu Fragen, die seine Zeit in Rhodesien betrafen, nicht zufriedenstellend ausgefallen waren.. Seit Juni diesen Jahres war er an der Louisana State University angestellt, um Bioterrorismus-Kurse zu geben. Nach der öffentlichen Durchsuchung seiner Wohnung wurde er dort am 2. August 2002 zunächst einmal freigestellt. Nach vereinzelten Medienberichten war Hatfill Mitglied der UN Special Commission für den Irak (UNSCOM) und hat in den vergangenen Jahren an Trainingskursen für die neue UN-Untersuchungskommission für den Irak, die UNMOVIC, teilgenommen. Militärisches Nach eigenen Angaben hat er sowohl für die amerikanische als auch für die frühere rhodesische und die südafrikanische Armee gearbeitet. Nach eigenen Angaben, die von anderer Seite bestätigt wurden, hat er auch für spezielle Eliteeinheiten der rhodesischen Armee, die Selous Scouts und die C-Squadron der Special Air Service, gearbeitet. Diese Einheiten waren im rhodesischen Bürgerkrieg aktiv. Oft wird in diesem Zusammenhang darauf hingewiesen, dass in Rhodesien Ende der 1970er Jahre der weltweit größte Milzbrandausbruch der Geschichte stattfand, der ausschließlich schwarze Farmer betraf und der möglicherweise auf einen Biowaffen-Angriff durch Spezialeinheiten der rhodesischen Armee zurückzuführen ist. Aber erstens ist bis heute nicht eindeutig geklärt, ob hier tatsächlich ein Milzbrand-Angriff stattgefunden hat, und zweitens gibt es nicht den geringsten Hinweis darauf, dass Hatfill dort in irgendeiner Weise involviert war. Hatfill hat wohl auch ein Training bei den US-amerikanischen Special Forces begonnen, das er aber nach 30 Tagen abbrechen musste. Nach Angaben der südafrikanischen "Johannesburg The Star" vom 1. Juli 2002 hatte Hatfill enge Kontakte zur rassistischen Afrikaner Weerstandsbeweging (AWB) in Südafrika, deren Anführer Eugene Terre'blanche. derzeit in Haft ist. Interessantes In der Nähe von Hatfills Wohnort in Rhodesien/Zimbabwe gab es eine "Greendale School" - der gleiche Name, der auf einigen Milzbrandbriefen als Absender stand. 1999 hat Hatfill im Rahmen seiner Arbeit für SAIC eine Studie in Auftrag gegeben, die die Verbreitung von waffenfähigem Anthrax mit Hilfe von Briefen untersuchen sollte. Die Studie - erstellt vom US Biowaffenveteran und Hatfill-Vertrauten Bill Patrick - beschreibt, welchen Schaden 2,5 g Milzbrand, in Briefumschlägen verschickt, anrichten könnten. Diese Studie wird gern als "Blaupause" für die tödlichen Milzbrandbriefe bezeichnet, allerdings wird an anderer Stelle berichtet, dass es sich nur um ein kleines und naheliegendes Gedankenexperiment handelt, dass auch nur mit wenigen hundert Dollar entlohnt worden sei. In seiner Stellungnahme am 11. August sagt Hatfill, dass er niemals in seinem Leben mit Milzbrand gearbeitet hat. Im USAMRIID war er ausschließlich mit Viren beschäftigt. Hatfill war gegen Millzbrand geimpft, hat jedoch nach eigenen Angaben seine letzte Auffrischung 1999 bekommen und war damit im Jahre 2001 nicht mehr ausreichend gegen eine Infektion geschützt. Hatfill befand sich im November 2001 gerade in London, als dort ein leerer Drohbrief an Senator Dashle aufgegeben wurde, der dem echten Milzbrandbrief ähneln soll. Allerdings waren zu dem Zeitpunkt bereits Bilder der echten Milzbrandbriefe veröffentlicht, so dass jede beliebige Person diese Briefe hätte imitieren können. |