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Letzte Aktualisierung: Tuesday, July 02, 2002

Milzbrandbriefe: Das FBI nennt einen Namen
1. Juli 2002
In der letzten Juniwoche hat das FBI in einer öffentlichen Aktion das Haus und andere Räume von Dr. Steven J. Hatfill durchsucht. Auf Steven Hatfill trifft sehr genau die Beschreibung eines Tatverdächtigen zu, die kürzlich von Prof. Barbara Rosenberg auf der Basis von Insider-Informationen erstellt wurde (Hier der Text von B. Rosenberg)

Auf jeden Fall wäre Hatfill aufgrund seines Hintergrundes in der Lage gewesen, die Briefe zu produzieren und zu versenden. In den 1990er Jahren war Hatfill mit der UNSCOM im Irak und hat das dortige Biowaffen-Programm untersucht. Von 1997-1999 hat er im USAMRIID in Ft. Detrick gearbeitet, er ist auch gegen Milzbrand geimpft.1999 hat er eine Studie in Auftrag gegeben, die die Verbreitung von waffenfähigem Anthrax mit Hilfe von Briefen untersuchen sollte. Die Studie - erstellt vom US Biowaffenveteran und Hatfill-Vertrauten Bill Patrick - beschreibt, welchen Schaden 2,5 g Milzbrand, in Briefumschlägen verschickt, anrichten könnten. Die Studie hat Hatfill in Auftrag gegeben, als er für die Privatfirma Science Applications International Corp (SAIC) in McLean, Virginia, arbeitete. SAIC ist ein "defense contractor" der US-Armee.

Am 23. August letzten Jahres, also kurz vor der Versendung der ersten Milzbrandbriefe, hat das Verteidigungsministerium Hatfill die "security clearance" aus bislang noch unbekannten Gründen entzogen. Im März 2002 hat SAIC ihn entlassen.

Hatfill hat seinen medizinischen Abschluss 1984 in Zimbabwe (früher: Rhodesien) gemacht. Dort wohnte er in der Nähe einer "Greendale School" - der gleiche Name, der auf den Milzbrandbriefen als Absender stand. Nach eigenen Angaben hat Hatfill im Bürgerkrieg für eine Eliteeinheit der früheren Rhodesischen Armee gekämpft. Er hat US Army Special Forces Training absolviert. Für SAIC hat er für Übungszwecke Schein-Biowaffenlabore aufgebaut.

Offensichtlich handelt es sich bei Hatfill um denjenigen, der bereits seit langem von einigen Insidern verdächtigt wird. Er scheint auch alle nötigen Voraussetzungen mitzubringen, um Milzbrand in der fraglichen Qualität zu produzieren und die Briefe zu versenden, ohne große Spuren zu hinterlassen. Andererseits gibt es wahrscheinlich auch noch andere Wissenschaftler in den USA, die aufgrund ihrer Biographie ähnlich verdächtig sein könnten und zumindest die Gelegenheit und Fähigkeit gehabt hätten, die Milzbrandbriefe zu produzieren. Spannend wird die Antwort auf die Frage sein, warum das Verteidigungsministerium Hatfill im vergangenen August die security clearance entzogen hat. Ob das FBI den Namen von Hatfill jetzt veröffentlicht hat, um ihn unter Druck zu setzen, oder um dem zunehmenden Druck von Kritikern entgegenzutreten und mit der Aktion quasi Hatfill zu entlasten, ist momentan noch reine Spekulation.


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