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Letzte Aktualisierung: |
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Aktuelle Informationen über den Milzbrand-Attentäter |
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16. Juni 2002
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| Am 13. Juni hat Prof. Barbara Rosenberg ein weiteres Mal Informationen über den möglichen Milzbrand-Attentäter veröffentlicht. Sie beruft sich auf Insider-Kontakte und entwickelt ein sehr konkretes Szenario über den Verlauf der Anthrax-Attentate und der Ermittlungen. Hier findet sich ihr umfangreicher englischsprachiger Originaltext, der eine Reihe von konkreten Informationen, Verdächtigungen und Fragen enthält. Nach ihren Angaben ist vielen Insidern - auch mehreren Journalisten und Wissenschaftlern aus der US-amerikanischen Biowaffen-Abwehrforschung - bereits seit langem ein dringend Tatverdächtiger bekannt. Bislang wird der Name weder von Barbara Rosenberg noch von anderen öffentlich genannt, weil eine Verleumdungsklage befürchtet wird. Ohne harte Beweise - die mit jedem Tag schwerer zu erhalten sein werden - ist kaum damit zu rechnen, dass der Täter bzw. der Tatverdächtige jemals öffentlich gemacht werden. Es wird zudem befürchtet, dass interessierte Kreise die Ermittlungen behindern, B. Rosenberg spricht sogar von einem möglichen "cover-up". In ihrem Papier wirft sie vor allem Fragen an das FBI auf und weist Nachlässigkeiten in den Ermittlungen nach. Sie geht jetzt mit ihrem Wissen an die Öffentlichkeit, um die Behörden zu einer intensiveren und ernsthaften Verfolgung des Attentäters zu bewegen. Denn bislang hat die Affäre vor allem ein gezeigt: Man kann in den USA Milzbrandbriefe verschicken - und kommt ungeschoren davon. Das Szenario Nach Angaben von Barbara Rosenberg handelt es sich bei dem Täter um eine Wissenschaftler, der früher beim USAMRIID, dem Zentrum der US-amerikanischen Biowaffen-Abwehrforschung in Ft. Detrick, Maryland, gearbeitet hat. Danach hat er für einen anderen Arbeitgeber unter anderem daran gearbeitet, Bioterrorismus-Szenarien zu entwerfen. Der Verdächtige hatte im Laufe des Jahres 2001 Zugang zu USAMRIID, hat Erfahrungen im Umgang mit Milzbrand, die nötigen Impfungen sowie Zugang zu einem abgeschiedenen Ort, an dem er das pulverförmige Anthrax produziert bzw. abgefüllt haben könnte. Im Spätsommer letzten Jahres soll die Karriere des Verdächtigen einen signifikanten Knick bekommen haben. Schon zu einem frühen Ermittlungszeitraum sei das FBI von mindestens fünf Insidern auf den Tatverdächtigen hingewiesen worden. Aber erst zu einem sehr späten Zeitpunkt wurde - mit Zustimmung des Verdächtigen - sein Haus vom FBI durchsucht. In jüngster Zeit soll er von sensiblen Angelegenheiten isoliert worden sein (Frau Rosenberg nennt das "containment of the suspect"). Die Zeitung "Hartford Courant" - die offensichtlich zum Kreis der Eingeweihten gehört - berichtet in der Ausgabe vom 13. Juni, dass sie den Verdächtigen um ein Interview gebeten haben. Dieser habe jedoch behauptet, dass das FBI seinen Anwälten gegenüber versichert habe, dass er zu keinem Zeitpunkt tatverdächtig war. Versuch einer Bewertung Barbara Rosenberg ist als solide Wissenschaftlerin bekannt und verfügt über exzellente Kontakte in die einschlägigen Kreise der Biowaffen-Abwehrforschung in den USA. Insofern kann sie sich wohl auf solide Informationen stützen. Andererseits bleiben alle ihre Informationen sehr vage, müssen wohl notgedrungen vage bleiben, um sich Klagen des Tatverdächtigen und des FBI (wegen Behinderung der Justiz) vom Leibe zu halten. Deshalb ist aus der Entfernung nur schwer zu sagen, wie real das entworfene Szenario ist. Es ist zwar gut belegt, schlüssig und aus meiner Sicht auch sehr wahrscheinlich, es bleibt jedoch nach wie vor nur ein Szenario, eine Hypothese. Wirkliche Beweise wird nur das FBI liefern können - es bleibt zu hoffen, dass die jüngste Veröffentlichung von Barbara Rosenberg etwas Bewegung in die Ermittlungen bringt. |