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Kommentar zum Papier der britischen Regierung über "Iraks Massenvernichtungswaffen"
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Drei Behauptungen aus dem britischen Geheimdienstbericht über Massenvernichtungswaffen im Irak (hier im Original als pdf-Datei) werden in den Medien besonders herausgestellt: 1) Der Irak produziere zur Zeit biologische und chemische Waffen 2) Der Irak könne diese Waffen innerhalb von 45 Minuten einsetzen 3) Der Irak könne in ein bis zwei Jahren über Atomwaffen verfügen Alle drei Behauptungen sind in dem Bericht nicht belegt, zum Teil zeigt der Bericht sogar das Gegenteil. Im Einzelnen: 1) In der Zusammenfassung heißt es wörtlich: "As a result of the intelligence we judge that Iraq has (...) continued to produce chemical and biological agents;" Im Detailbericht sind demgegenüber nur Vermutungen genannt, die zudem an keinem Punkt mit Fakten, Belegen oder auch nur vagen Hinweisen auf die Quellen untermauert werden. Dort heißt es z.B.:
2) Zu dem Einsatz binnen 45 Minuten findet sich im gesamten Text nur ein Statement: "Geheimdienstinformationen weisen darauf hin, dass Saddam willens ist biologische und chemische Waffen als Teil der irakischen Militärplanung einzusetzen, auch gegen die eigene Shia Population. Geheimdienstinformationen weisen darauf hin, dass das irakische Militär in der Lage ist, chemische und biologische Waffen innerhalb von 45 Minuten nach einem entsprechenden Befehl einzusetzen." Dieses 45-Minuten Zitat eignet sich sicherlich gut für die Titelseiten, weil es eine konkrete Bedrohung und einen besonderen Zeitdruck suggeriert. Der Informationsgehalt geht jedoch gegen Null - denn wenn eine Armee biologische oder chemische Waffen produziert und in den Arsenalen hat, dann wird es wahrscheinlich selten länger als 45 Minuten dauern, sie aus den Bunkern zu holen. Auch hier werden die "Geheimdienstinformationen" mit keinem Wort qualifiziert. 3) Zur Frage der Nuklearwaffen kommt der Bericht eigentlich zum gegenteiligen Schluss. Wörtlich: "Das JIC (britische Geheimdienstkomitee) kommt zu dem Schluss, dass der Irak nicht in der Lage sein wird, Nuklearwaffen zu produzieren, wenn die Sanktionen effektiv bleiben. Sollten sie aufgehoben oder ineffektiv werden, dann würde es den Irak mindestens fünf Jahre kosten, ausreichendes spaltfähiges waffenfähiges Material selbst zu produzieren. Wir wissen jedoch, dass der Irak die Expertise und die Design-Daten für Nuklearwaffen weiterhin besitzt. Wir kommen von daher zu dem Schluss, dass - wenn der Irak spaltfähiges Material und andere essentielle Bauteile von ausländischen Quellen beziehen kann - die Zeit bis zum Bau einer Nuklearwaffe abgekürzt werden könnte und der Irak innerhalb von einem bis zwei Jahren eine Atomwaffe bauen könnte." Auch das ist keine neue Erkenntnis - wenn ein Land die wichtigsten Bestandteile für eine Atomwaffen von außen geliefert bekommt, wird es wohl auch eine Atomwaffe bauen können. Das einzige Faktum, dass der Bericht in dieser Hinsicht enthält, ist die Feststellung, dass unter den momentanen Bedingungen überhaupt keine nukleare Gefahr vom Irak ausgeht. Zusammenfassend muss festgestellt werden, dass in dem Bericht einige konkrete Beschuldigungen erhoben werden, die jeweils mit dem Wort "Geheimdienstinformationen" belegt werden. Da jedoch diese Informationen nicht näher beschrieben oder wenigstens angedeutet werden, enthält der Bericht der britischen Regierung tatsächlich keinerlei neue Fakten - mit diffusen "Geheimdienstinformationen" wurde bereits in den vergangenen Wochen gearbeitet. Hier die UN-Sicherheitsrat Resolution über den Irak vom 8. November 2002 |