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Letzte Aktualisierung: |
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Gentechnische Arbeiten bei der Bundeswehr 2002 |
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2. April 2002
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| Mit Schreiben vom 22. März 2002 hat der Staatssekretär im Verteidigungsministerium, Walter Kolbow, den Verteidigungsausschuss des Bundestages über Forschungsprojekte informiert, die aus dem Verteidigungshaushalt finanziert werden und bei denen gentechnische Arbeitsmethoden eingesetzt werden. Von den 24 dort aufgeführten Projekten fallen 16 in den Bereich der Biowaffen-Schutzforschung, während die verbleibenden 8 Projekte sich z.B. mit dem Abbau von Chemiewaffen oder mit Strahlenschäden befassen. In der untenstehenden Liste sind alle 16 Projekte aus dem Biowaffen-Bereich mit dem Originaltitel sowie einer kurzen, vom Sunshine Project verfassten Erklärung/Interpretation aufgeführt. Sie wurden von uns grob unterteilt in Projekte zur Impfstoff-Entwicklung und solche zur Entwicklung von Schnellnachweisen/Diagnostika sowie andere Projekte. Nach wie vor hält das Verteidigungsministerium an dem umstrittenen Hasenpest-Projekt fest, bei dem mit Bakterien gearbeitet wird, die gentechnisch gegen Antibiotika resistent gemacht wurden (s. unten Projekt 15). Dahinter steht zwar ein Projekt der Grundlagenforschung, und eine offensive Absicht der Bundeswehr kann sicherlich ausgeschlossen werden, doch es bleibt als Faktum bestehen, dass durch diesen gentechnischen Eingriff die Erreger noch gefährlicher, noch waffentauglicher gemacht wurden, da sie nicht mehr mit den entsprechenden Antibiotika behandelt werden können. Interessanterweise heißt es in der Meldung des Verteidigungsministeriums jedoch: "Im Berichtszeitraum erfolgte eine Kultivierung und Lagerung der gentechnisch veränderten Organismen". Das kann so verstanden werden, dass im vergangenen Jahr die Bakterien nur gelagert wurden, ohne dass das entsprechende Forschungsprojekt aktiv fortgesetzt wurde. Trotzdem hat sich das Ministerium leider immer noch nicht zur Vernichtung dieser umstrittenen Bakterien entschließen können. Von den 16 Projekten aus dem Biowaffen-Bereich befassen sich fünf mit Impfstoff-Entwicklung (gegen Milzbrand, Pocken, Botulinum, Q-Fieber, Dengue-Fieber). Impfstoffe sind aus zweierlei Gründen umstritten: Sie besitzen einen ausgeprägten dual-use Charakter, denn sie dienen nicht nur dem Schutz vor Angriffen sondern sind auch eine unabdingbare Voraussetzung für ein offensives Programm, und sie haben nur eine sehr begrenzte Effektivität. Angesichts der Vielzahl an Biowaffen-tauglichen Erregern kann kaum gegen die gesamte mögliche Bandbreite aller Biowaffen geimpft werden. Aus einer sicherheitstechnischen Perspektive sind besonders solche Projekte kritisch zu sehen, bei denen Genfragmente zweier verschiedener Krankheitserreger zusammengebracht werden (s. unten die Projekte 4 und 5). Im Vergleich zum Vorjahr sind nur drei Projekte neu aufgeführt: Die Entwicklung eines Dengue-Impfstoffes (Projekt Nr. 5), die gentechnische Produktion von Protamin (Projekt Nr. 16) sowie eines der beiden Projekte zum Nachweis von Bunyaviren (Projekt Nr. 7). Alle anderen Projekte wurden mit identischem oder ähnlichem Titel bereits im Vorjahr durchgeführt. Wo die jeweiligen Projekte konkret durchgeführt werden, ist in der Mitteilung des Verteidigungsministeriums nicht angegeben. Nach Auskunft der bayerischen Regulierungsbehörden vom März 2000 wurde am Institut für Mikrobiologie der Sanitätsakademie der Bundeswehr nur ein gentechnisches Projekt im Bereich des B-Schutzes durchgeführt, nämlich das oben genannte Hasenpest-Projekt. Ein Großteil der unten aufgelisteten gentechnischen Projekte wird offensichtlich von zivilen Auftragnehmern des Verteidigungsministeriums durchgeführt. Einige davon sind in der Broschüre des Sunshine Project über "Biowaffen-Forschung bei der Bundeswehr" aus dem letzten Juni genannt. Impfstoffe 1. Entwicklung eines Peptid-Impfstoffes gegen Botulinumtoxine: Das Botulinum-Toxin ist das stärkste aller bekannten Nervengifte. Für die Entwicklung eines Impfstoffes gegen dieses Toxin wurden Teile des Botulinum-Gens auf harmlose Darmbakterien übertragen (E.coli), um so Fragmente des Toxins zu gewinnen, die nicht mehr giftig sind, aber trotzdem eine Immunreaktion gegen das Toxin auslösen und somit als Impfstoff geeignet sein könnten. 2. Entwicklung von Diagnostik-und Immunisierungsverfahren gegen Orthopockenvirus-Infektionen mit Hilfe rekombinanter Antikörper und "nackter DNA": Zu den so genannten Orthopockenviren gehören auch die Pockenviren, die derzeit wieder als biologische Kampfstoffe diskutiert werden. In diesem Projekt sollen eine passive Impfung mit Hilfe neutralisierender Antikörper sowie eine aktive Impfung mit Oberflächenproteinen entwickelt werden. Für das letztere Verfahren werden wie unter Projekt 1 für Botulinum beschrieben Gene des Pockenvirus auf andere Organismen übertragen. Die Antikörper können auch für Schnellnachweise eingesetzt werden. 3. Etablierung molekularer und serologischer Verfahren zum Schnellnachweis des Q-Fiebers sowie Wirksamkeitsprüfung von Subunit-Impfstoffen gegen Coxiella burnetii: Auch hier werden wie unter Projekt 1 beschrieben Gensequenzen des Erregers des Q-Fiebers in Darmbakterien eingesetzt, um die Verwendung der so produzierten Fragmente als mögliche Impfstoffe zu überprüfen. 4. Entwicklung und Testung rekombinanter Vaccinen gegen die Milzbrandinfektion (Bacillus anthracis): Wie oben beschrieben werden Gensequenzen des Milzbranderregers auf andere Bakterien übertragen. In diesem Falle jedoch nicht nur auf das harmlose Darmbakterium E. coli, sondern auch auf einen Salmonellen-Impfstamm. 5. Entwicklung eines rekombinanten Dengue - Impfstoffes auf Basis von attenuierten Vacciniaviren (MVA) als Vektoren: Hier werden Gene von Dengue-Viren auf einen früheren Pockenimpfstoff übertragen, um so einen Dengue-Impfstoff zu gewinnen. Nachweisverfahren 6. Quantitativer Schnellnachweis von Bunyaviridae mittels TaqMan-PCR-Technologie: Bunyaviren sind weltweit vorkommenden Viren, die beim Menschen schwere Erkrankungen auslösen können und als potentielle biologische Kampfstoffe gelten. In diesem Projekt werden spezifische Gensequenzen verschiedener Bunyaviren als so genannte Standards für die Qualitätskontrolle von Nachweisverfahren gentechnisch produziert. 7. Real-time-PCR-Diagnostik von humanpathogenen Viren der Familie Bunyaviridae: Wie in Projekt 6 werden auch hier Standards für die Qualitätskontrolle von Nachweisverfahren für Bunyaviren produziert. 8. Nachweis hämorrhagischer Fieberviren (Filo- und Arenavirusisolate) mit der real-time PCR: Zu den Erregern hämorrhagischer Fieber gehören unter anderem die berüchtigten Ebola- oder Lassaviren. Wie in Projekt 6 werden auch hier für die Entwicklung von Schnellnachweisen Gensequenzen verschiedener Viren als Standards für die Qualitätskontrolle produziert. 9. Untersuchungen zum Nachweis von Antikörpern gegen die Equinen Enzephalitis-Viren in humanem und tierischem Serum bzw. Plasma: Hier soll ein Verfahren zum Nachweis einer Infektion mit diesen klassischen Biowaffen-Viren entwickelt werden. Bei einer Infektion produziert der menschliche Körper so genannte Antikörper, die wiederum als Nachweis für eine Infektion dienen können. Dafür werden in diesem Projekt Gene für die entsprechenden Hüllproteine der Viren auf andere Organismen übertragen. Die so produzierten Eiweiße können für den Nachweis der Antikörper im Blut eingesetzt werden. 10. Identifizierung der hauptimmunogenen Proteine des Genus Burkholderia zur Etablierung einer PCR und eines ELISA für die Genus- und Speziesdifferenzierung: Hier wurden Genabschnitte von Burkholderia-Bakterien in das Darmbakterium E. coli eingeführt, um solche Gene bzw. ihre Produkte zu finden, die eine genaue Identifizierung der verschiedenen Arten erlauben. 11. Herstellung von Gensonden: Teile von Genen mehrerer nicht genannter Viren und Bakterien werden in Darmbakterien (E. coli) eingeschleust, um so genannte Gensonden (Erkennungssequenzen) zu produzieren. 12. Herstellung rekombinanter Phagenantikörper: Es werden gentechnisch Antikörper gegen eine Reihe nicht genannter Viren und Bakterien produziert, die für den Nachweis potentieller Biowaffen in Umweltproben mittels eines Biosensors oder chips benötigt werden. 13. Evaluierung definierter Phagemidklone: Wie in Projekt 12 werden hier gentechnisch Peptide produziert, die mehrere nicht genannte Viren spezifisch erkennen können und für den Nachweis potentieller Biowaffen in Umweltproben eingesetzt werden können. 14. Evaluierung von B-Detektionssystemen: Ein Stamm des Darmbakteriums E. coli wurde gentechnisch mit einem fluoreszierenden Protein ausgestattet, um die Effizienz von Luftkeimsammlern zu überprüfen.
15. Diagnostik, Immunopathogenese, Prophylaxe und Epidemiologie der Tularämie und Aufbau eines humanen In-vitro-Modells zur Untersuchung der Immunpathogenese von intrazellulären Erregern am Beispiel von Francisella tularensis: Dies ist in erster Linie ein Projekt der Grundlagenforschung, das an der Sanitätsakamdemie der Bundeswehr in München durchgeführt wird. Eine Variante des Erregers der Hasenpest, Francisella tularensis, wurde mit einem fluoreszierenden Protein ausgestattet, um den Infektionsweg des Bakteriums mikroskopisch verfolgen zu können. Als Markergen wurde auch eine Antibiotika-Resistenz (gegen Tetracyclin und Chloramphenicol) mit auf das Bakterium übertragen. 16. Neuartige Desinfektionsmittel auf biotechnologischer Basis zur Prävention von Umweltschäden: Protamin ist ein natürlicher Stoff, der nach Angaben des Verteidigungsministerium verschiedene Bakterien abzutöten vermag. Das Gen für Protamin wurde auf das Darmbakterium E. coli übertragen, um so große Mengen dieses potentiellen Desinfektionsmittels zu produzieren. Nach Literaturangaben (z.B. RKI) verstärkt Protamin zwar die desinfizierende Wirkung von Formaldehyd, jedoch nur für einige Bakterien, z.B. Staphylokokken.
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