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Gentechnik mit biologischen Waffen
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Tödliche Viren und Bakterien, die Impfungen überwinden, Antibiotika überleben, obskure Krankheitssymptome auslösen und nicht von Nachweissystemen erfasst werden was nach billigstem Science Fiction klingt, ist tatsächlich schon Realität. Mit Hilfe der Gentechnik wurden bereits Erreger entwickelt, die sehr viel effektivere B-Waffen abgeben als die natürlichen Mikroben.
Der mögliche Missbrauch der Genetik für biologische Waffen. Vortrag von Malcolm Dando auf einer Tagung in Dresden am 9. Juni 2001. |
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| Tendenziell verschafft die Gentechnik den Militärs unbegrenzte Möglichkeiten. Das Sunshine Project setzt sich deshalb für ein striktes Verbot und eine internationale Ächtung von Experimenten ein, bei denen waffentaugliche Gene auf potenzielle Biowaffen übertragen werden. Um dies international zu erreichen, sollte auch die Bundeswehr die entsprechenden Arbeiten mit antibiotikaresistenten Erregern (s.u.) sofort stoppen. Hier einige Beispiele, die in wissenschaftlichen Fachjournalen veröffentlicht wurden. Soweit verfügbar, ist in den Quellenangaben auch der abstract der jeweiligen wissenschaftlichen Arbeit wiedergegeben: 1. Harmlose Bakterien mit tödlichen Genen: Schon 1986 hat ein US-Team den letalen Faktor des Milzbranderregers(Anthrax) auf harmlose Darmbakterien (E. coli) übertragen. Die Forscher stellten fest, dass die Darmbakterien daraufhin einen Stoff produzierten, der den gleichen tödlichen Effekt verursacht wie das natürliche Anthrax.(1) 2. Bakterien verursachen unübliche Krankheitssymptome: Russische Forscher aus Obolensk in der Nähe von Moskau haben ein Gen für das "Glückshormon" Endorphin in den Erreger der Hasenpest (Francisella tularensis)eingeschleust. Infizierte Personen würden nicht die üblichen Symptome der Hasenpest zeigen, sondern durch das Endorphin zusätzlich noch starke Verhaltensänderungen.(2) Ehe die eigentliche Krankheitsursache erkannt ist, käme jede Hilfe zu spät. 3. Unsichtbares Anthrax: Forscher aus dem gleichen Institut in Obolensk haben 1997 mit einer wissenschaftlichen Fachveröffentlichung für viel Wirbel gesorgt: Durch die Übertragung eines Gens aus einem nahe verwandten Bakterium (Bacillus cereus) wurden Anthrax-Bakterien so verändert, dass sich ihre Oberflächenstrukturen veränderten (3). Weder Impfungen noch Nachweisverfahren sprangen auf die veränderten Bakterien an. Brisanterweise haben die russischen Forscher gleichzeitig eine spezifischen Impfstoff für die "unsichtbare" Variante mit entwickelt - eine optimale Kombination für den offensiven Einsatz. Westliche Militärexperten kommentierten seinerzeit "Unseres Wissen ist es das erste Mal, dass Gene in voll virulente Stämme eingesetzt werden. Der genmanipulierte Bakterienstamm ist gegen ihre eigene Impfung resistent, und man fragt sich, warum sie das gemacht haben" (4). Im September 2001 wurde bekannt, dass die US-Armee diesen Versuch in eigenen Labors wiederholen wollen.(5) 4. Antibiotika-Resistenz: In der Gentechnik werden als Hilfsmittel häufig Gene eingesetzt, die eine Resistenz gegen Antibiotika verleihen. Diese Technik bekommt eine besondere Brisanz, wenn sie auf tödliche Krankheitserreger angewendet wird, die dann nicht mehr mit den Antibiotika behandelt werden können. Aus verschiedenen Ländern sind Arbeiten bekannt, bei denen Antibiotikaresistenzen auf Anthrax oder Hasenpest übertragen wurden, den beiden wichtigsten Erregern aus dem Arsenal der B-Waffen-Konstrukteure. Auch die Bundeswehr arbeitet im Rahmen der B-Waffen Defensivforschung mit Antibiotika-Resistenzen. An der Sanitätsakademie in München wird mit Hasenpest-Erregern gearbeitet, die gentechnisch gegen Antibiotika immun gemacht wurden. Sicherlich steht dahinter kein Interesse der Bundeswehr an offensiven B-Waffen. Die Antibiotika-Resistenz wurde nur aus technischen Gründen auf die Erreger übertragen. Unabhängig von den zugrundliegenden Motiven bleibt trotzdem als Fakt bestehen, dass mit dieser Genübertragung das Bakterium schlechter behandelbar und damit "waffentauglicher" gemacht wurde. Hinzu kommt, dass technische Alternativen zur Verfügung stehen, um die gleichen Experimente ohne die bedenkliche Antibiotika-Resistenz durchzuführen. Weiter unten finden sich noch mehr Beispiele zu gentechnischen Arbeiten bei der Bundeswehr. 5. Sonnenschutzfaktor: Viele Biowaffen werden sehr schnell durch die UV-Strahlung im Sonnenlicht zerstört (daher auch der Name Sunshine Project). Mit Hilfe der Gentechnik lassen sich verschiedene Erreger dagegen schützen, z.B. durch eine Übertragung von Genen, die an der Synthese von Karotinoiden beteiligt sind (die z.B. die Karotte so leuchtend orange färben). Karotinoide wirken als Sonnenschutzmittel, da sie die UV-Strahlung aufnehmen und damit die Zelle vor Zerstörung schützen. Dieser Effekt konnte im Experiment mit harmlosen Darmbakterien bereits erzielt werden. (6) 6. Eine bislang wohl nur theoretische mögliche Anwendung der Gentechnik verleiht Biowaffen eine gänzlich neue Qualität: Selektive Biowaffen werden denkbar, die gegen bestimmte Populationen wirken, andere hingegen unbehelligt lassen. Es ist jedoch nach wie vor umstritten, ob solche Ethno-Bomben technisch überhaupt möglich sind. Durch die Entschlüsselung des menschlichen Genoms bieten sich zunehmend mehr Ansatzpunkte für ethnische Waffen. Ob sie realisierbar werden, kann nur auf der Basis künftiger Untersuchungen entschieden werden. Festzuhalten bleibt, dass verschiedene Entwicklungen der Gentechnik direkt für die Entwicklung selektiver Waffen nutzbar gemacht werden könnten. Gentechnik bei der Bundeswehr In verschiedenen Forschungsbereichen der Bundeswehr wird auch mit gentechnischen Methoden gearbeitet. Alle gentechnischen Projekte im Aufgabenbereich des BMVg müssen einmal jährlich an den Verteidigungsausschuss des Deutschen Bundestages gemeldet werden. Die jüngste Meldung datiert vom 17. Mai 2001, in der 21 gentechnische Projekte aufgelistet sind. Gentechnik wird bei der Bundeswehr nicht nur im Bereich der biologischen Waffen eingesetzt. In früheren Jahren aufgelistete Projekte betrafen z. B. gentechnische Arbeiten an verschiedenen Nutzpflanzen. Dabei geht es allerdings nicht um den Angriff der Killertomaten, sondern um den Nachweis von gentechnisch veränderten Lebensmitteln für die Truppenverpflegung. Ein gentechnisches Projekt ist im C-Waffen-Bereich angesiedelt und betrifft die Produktion von Enzymen zur Dekontamination von Nervenkampfstoffen. Andere Projekte befassen sich auch mit Strahlenschäden und der Auswirkung ionisierender Strahlung auf menschliche Zellen und Gewebe oder mit der Behandlung von Verbrennungsopfern. Die folgenden 15 gentechnischen Forschungsprojekte, die im Bereich der biologischen Abwehrforschung angesiedelt sind, wurden 2001 vom BMVg gemeldet: 1. Nachweis von Bunyaviren: Gensequenzen von humanpathogenen Bunyaviren werden gentechnisch synthetisiert, um sie als Standards zur Testung der Nachweisverfahren einzusetzen. 2. Entwicklung eines Impfstoffes gegen Gasbrand-Toxin: Das Gen für das Gasbrand-Toxin (Alphatoxin von Clostridium perfringens) wurde auf ein anderes Bakterium (E. coli) übertragen, um größere Mengen des Toxins für die Herstellung von Impfstoffen und Nachweissystemen zu gewinnen. Nach Angaben des Forschungsleiters für dieses Projekt wurde nur eine nicht giftige Variante des Toxins auf andere Bakterien übertragen. 3. Impfstoffe gegen Orthopockenviren: Es werden gentechnisch Antikörper gegen Pockenviren hergestellt. 4. Nachweis von Orthopockenviren: Es werden Gene gesucht, die einen spezifischen Nachweis unterschiedlicher Orthopockenviren erlauben. 5. Nachweis von Viren: Gene verschiedener Viren werden gentechnisch hergestellt, um sie als Standards zur Testung der Nachweisverfahren einzusetzen. 6. Schnellnachweis von Q-Fieber: Gene von Coxiella burnetii, dem Erreger des Q-Fiebers, werden in Darmbakterien übertragen, um mögliche Antigene für die Herstellung von Antikörpern zu gewinnen. 7. Entwicklung einer Milzbrand-Impfung: Durch eine gentechnische Kombination von Milzbrand und Salmonellen soll ein neuartiger Impfstoff geschaffen werden. 8. Nachweis von Equinen Enzephalitis-Viren: Gene dieser Viren werden in andere Mikroorganismen eingesetzt, um so Virenproteine zu gewinnen, die für die Produktion von Antikörpern eingesetzt werden sollen. 9. Grundlagenforschung an Hasenpestbakterien: Eine Variante des Erregers der Hasenpest, Francisella tularensis, wurde mit einem fluoreszierenden Protein ausgestattet, um den Infektionsweg des Bakteriums mikroskopisch verfolgen zu können. Als Markergen wurde auch eine Antibiotika-Resistenz (gegen Tetracyclin und Chloramphenicol) mit auf das Bakterium übertragen (s.o.) 10. Nachweis von Burkholderia: Produktion von Burkholderia-Eiweißen in Kolibakterien. 11. Nachweis von Pestbakterien: Übertragung von Genen aus Yersinien, zu denen auch der Pesterreger gehört, in Kolibakterien. 12. Herstellung von Gensonden: Teile von Genen mehrerer nicht genannter Viren und Bakterien werden in Kolibakterien eingeschleust, um Gensonden (Erkennungssequenzen) zu produzieren. 13. Gentechnisch hergestellte Antikörper gegen Milzbrand: Für die Erkennung von Milzbrandbakterien werden Antikörper gegen ein Milzbrand-Antigen gentechnisch produziert, die bei der Produktion von Biochips eingesetzt werden sollen. 14. Testung von gentechnisch hergestellten Antikörpern 15. Evaluierung von Luftkeimsammlern: Gentechnisch veränderte Bakterien sollen zur Testung von Luftkeimsammlern eingesetzt werden. Obwohl dies im Bericht des BMVg nicht explizit erwähnt wird, liegt die Vermutung nahe, dass die genveränderten Bakterien in einer Testkammer auch aerosolisiert werden. Anmerkungen: (1) Robertson DL, Leppla SH (1986) Molecular cloning and expression in Escherichia coli of the lethal factor gene of Bacillus anthracis. Gene 44(1):71-8 Abstract: We have cloned and expressed in Escherichia coli the lethal factor (LF) gene of Bacillus anthracis. At least two of the six LF recombinant plasmids produce full-length LF protein. Transcription of the LF gene in E. coli appears to be under the control of its own B. anthracis promoter. Recombinant LF protein produced in E. coli remains intracellular and is not secreted. However, this LF protein is biochemically active and displays the same lethal effects as LF secreted by B. anthracis in the mouse macrophage assay. The LF gene, like that of the protective antigen gene, is present on the large B. anthracis toxin plasmid pXO1. (2) Borzenkov VM, Pomerantsev AP, Ashmarin IP (1993) The additive synthesis of a regulatory peptide in vivo: the administration of a vaccinal Francisella tularensis strain that produces beta-endorphin Biull Eksp Biol Med 116(8):151-3 (Article in Russian) (3) Pomerantsev AP. Staritsin NA. Mockov YV. Marinin LI. (1997) Expression of cereolysine ab genes in Bacillus anthracis vaccine strain ensures protection against experimental hemolytic anthrax infection. Vaccine 15:1846-1850. Abstract: The cereolysin AB genes from Bacillus cereus VKM-B164 have been expressed in Bacillus anthracis strains: virulent H-7 (PXO1, PXO2), vaccine STI-1 (PXO1), 221 (without its own plasmids). Expression was achieved by cloning the genes in a high copy number plasmid pE194. This construct was integrated with host genomes in amplified form. Gold hamsters were vaccinated with parental and recombinant B. anthracis STI-1 and 221 strains and challenged with virulent ones subcutaneously. Gold hamsters vaccinated with 221 strains and challenged with virulent ones subcutaneously. Gold hamsters vaccinated with 221 strains showed absence of protection. STI-1 immunisation protected against the H-7 strain, but did not protect against the recombinant strain. STI-1 recombinant strain protected gold hamsters against the H-7 as well as the recombinant H-7 strains. The results describe the modulation of immunopathogenic properties of B. anthracis due to expression of cereolysin AB genes. (4) New York Times, Feb. 14, 1998,Gene-engineered anthrax: is it a weapon? (5) New York Times, Sep. 4, 2001. US Germ warfare research pushes treaty limits (6) Sandmann, G., Kuhn, S., Böger, P. (1998) Evaluation of structurally different carotenoids in Escherichia coli transformants as protectants against UV-B radiation. Applied and Environmental Microbiology 64:1972-1974 |