|
Sie befinden sich: Infos > Allgemeines > Einührung in Biowaffen > Kurzeinführung
Letzte Aktualisierung: |
|||||||
|
Biologische Waffen
|
|||||||
|
Ein kurzer Überblick
|
|||||||
| Die Milzbrandbriefe in den USA haben die zunehmende Bedrohung durch biologische Waffen schlagartig in das Blickfeld einer breiteren Öffentlichkeit gerückt. Krankheit als Waffe ist zwar keine Erfindung des ausgehenden 20. Jahrhunderts schon in der Antike wurden Brunnen mit Tierkadavern kontaminiert doch die rasant voranschreitende Revolution in der Biomedizin macht die Entwicklung und Anwendung biologischer Waffen zunehmend wahrscheinlich. Der erste systematische Versuch, Krankheitserreger als Waffe zu entwickeln, begann gegen Ende des zweiten Weltkrieges unter anderem in Japan, England und den USA. Eine Reihe von Pathogenen erwiesen sich als besonders geeignet, darunter die Erreger von Milzbrand, Tularämie, Q-Fieber, Pest, und Pferde-Enzephalitis (VEE). Während die Isolierung geeigneter Erreger und ihre Vermehrung aus mikrobiologischer Sicht noch vergleichsweise einfach zu bewerkstelligen ist, stellt die effiziente Verbreitung der Agenzien das zentrale Problem bei der Biowaffen-Entwicklung dar. Um unkontrollierte Epidemien zu vermeiden wurden bevorzugt Pathogene ausgewählt, die nicht oder nur begrenzt von Mensch zu Mensch übertragbar sind. Dementsprechend müssen die Erreger bei einem Angriff großflächig unter der Zielpopulation verbreitet werden. Als effektivste Mittel haben sich Aerosole erwiesen, deren Produktion und gezielter Einsatz jedoch ein recht komplexes biologisches, technisches und physikalisch-meteorologisches Wissen voraussetzt. Wir wissen heute, dass sowohl im amerikanischen als auch im sowjetischen Programm jahrzehntelange Forschungsanstrengungen notwendig waren, um verlässliche Techniken zur Verbreitung von Biowaffen zu etablieren. Deshalb ist aus heutiger Sicht das Bedrohungspotential durch biologische Waffen noch recht gering, da außerhalb der USA und Russlands praktisch niemand über die Fähigkeit zu großflächigen Angriffen verfügt. Selbst der Irak, der bis 1991 ein umfangreiches offensives Biowaffen-Programm unterhalten hat und mehrere tausend Liter Anthraxsuspension produzierte, hatte nur rudimentäre Verbreitungsmethoden zur Hand. Nicht ausgeschlossen werden kann jedoch ein kleinräumiger Angriff mit einer sehr begrenzten Zahl von Todesfällen, so wie wir ihn jetzt in den USA erlebt haben. Während wir für heute also noch Entwarnung geben können, wird sich die Situation möglicherweise schon bald ändern, zum einen aufgrund bedenklicher politischer Entwicklungen, zum anderen mit Blick auf die großen Fortschritte in der Biomedizin. Derzeit ist eine Erosion der weltweiten Norm gegen biologische Waffen zu beobachten. Zwar ist seit 1975 die Biowaffen-Konvention in Kraft, die jegliche Entwicklung und Produktion von biologischen Agenzien und Toxinen für nicht-friedliche Zwecke verbietet, doch konnten sich die 144 Vertragsstaaten jüngst nicht auf Verifikationsmaßnahmen einigen. Die geheimen Biowaffen-Programme der früheren Sowjetunion, des Irak und Südafrikas haben gezeigt, dass die Konvention ohne ein wirksames Überwachungsregime wenig wirksam ist. Nach sechsjährigen Verhandlungen lagen im Sommer 2001 konkrete Vorschläge zur Stärkung der Konvention auf dem Tisch. Dazu gehörten unter anderem eine Offenlegungspflicht für biomedizinische Forschungs- und Produktionseinrichtungen, Zufallsinspektionen vor Ort und Maßnahmen zur Beseitigung von Unklarheiten. Leider scheiterte dies Übereinkommen am Einspruch der USA, so dass es auch weiterhin keine Möglichkeit gibt, die Einhaltung des Biowaffenverbotes weltweit zu kontrollieren. Es wird auch zunehmend unklar, was genau alles von der Biowaffen-Konvention abgedeckt wird. Schon werden Ausnahmen für nicht-tödliche zum Beispiel Material oder Drogenpflanzen zerstörende Mikroorganismen gefordert. Zudem wurden Anfang September von der New York Times einige Projekte des US-amerikanischen Biowaffen-Programms veröffentlicht, die gegen Geist und Wortlaut der Biowaffen-Konvention verstoßen. Dazu gehört unter anderem der Nachbau sowjetischer Biobomben oder der Bau einer Pilotanlage zur Produktion von Pathogenen in der Wüste Nevadas. Die US-Regierung verteidigte diese Projekte mit der Notwendigkeit einer Defensivforschung. Diese sehr großzügige Auslegung des Defensiv-Arguments droht die weltweite Ächtung biologischer Waffen zu unterminieren und könnte ein Präzedenzfall für Biowaffenprogramme in anderen Ländern werden. Zudem lassen auch die rasanten Forschritte in der Biologie und Medizin eine stärkere Bedrohung durch Biowaffen in der Zukunft vermuten. Bislang ist praktisch jede Schlüsseltechnologie auch für militärische Ziele eingesetzt worden. Ohne ein starkes Rüstungskontroll-Regime droht uns auch ein biologisches Wettrüsten. Die ersten gentechnisch veränderten Biowaffen wurden bereits Ende der 1980er Jahre produziert unter anderem antibiotikaresistente Milzbrandbakterien. Angesichts der künftigen Möglichkeiten und der ungeheuren Eingriffstiefe der modernen biomedizinischen Verfahren sind neue Ansätze zur Stärkung der weltweiten Ächtung biologischer Waffen dringend erforderlich. Hier kommt insbesondere auch den betroffenen Wissenschaften eine Schlüsselrolle zu. Noch ist das Wissen um den möglichen Missbrauch biotechnischer Verfahren, über internationale Verbote und Proliferationsgefahren, in Biologie und Medizin nicht sehr ausgeprägt. Es wäre deshalb wünschenswert, wenn zum Beispiel über die Jahrestagungen der Fachgesellschaften hier Informationsinitiativen gestartet werden könnten, wie sie beispielsweise in den USA bei einigen Verbänden bereits etabliert sind.
|