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Biowaffen-Telegramm Nr. 6
Psychodrogen des Pentagon.... Pockenausbruch 1971 in der UdSSR... Biowaffen als Begründung für nukleare Erstschlagsdoktrin... Exportkontrollen verschärft... "yellow rain" in Indien..... Informationsstelle Bioterrorismus beim RKI.... Milzbrandbriefe.... Fäkalienbombe in Kolumbien..... ... |
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Sunshine-Project - Erstellt mit Mitteln der Berghof Stiftung
2. Juli 2002 |
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1. Pentagon forscht an psychoaktiven Drogen als nicht-tödliche Chemiewaffen Am gestrigen 1. Juli hat das Sunshine Project Teile eines geheimen Forschungsberichtes der US-Militärs über die "Vorteile und Grenzen von sedierenden Drogen ('calmatives') für den Gebrauch als nicht-tödliche Techniken" veröffentlicht. Hier findet sich die englischsprachige Presseerklärung. Eine Reihe von Drogen - von Valium bis hin zur Narkose-Medikamenten und illegalen Drogen - wird dort für eine Reihe von "militärsichen und zivilen" Anwendungen diskutiert, z.B. auch vermittels einer Beimengung ins Trinkwasser.
Ein bislang geheim gehaltener Pockenausbruch in der ehemaligen Sowjetunion geht möglicherweise auf einen Versuch mit Biowaffen zurück. Dies behauptet eine jetzt veröffentlichte Studie amerikanischer Wissenschaftler vom Monterey Institute of International Studies. Danach geriet das Forschungsschiff Lev Berg am 30. Juli 1971 auf dem Aralsee in eine vom Wind verdriftete Wolke von Pockenviren, die auf der nahe gelegenen Versuchs-Insel Vozrozhdeniye erzeugt worden war. Eine damals 24jährige Fischereibiologin erkrankte wenig später an Pocken, nachdem das Schiff wieder im Heimathafen Aralsk angelangt war. Insgesamt wurden dort 10 Personen angesteckt. Zwei Kleinkinder sowie eine junge Lehrerin starben. Diese drei waren nicht gegen Pocken geimpft, während die sieben Überlebenden geimpft waren. Bislang hat Moskau diesen Pockenausbruch verheimlicht, erstmals hat ein früherer Mitarbeiter des sowjetischen Biowaffenprogrammes im vergangenen Jahr in einem Interview davon gesprochen. General Pyotry Burgasov behauptet, dass der Pockenausbruch durch einen Freilandversuch mit 400 Gramm Pockenviren verursacht wurde. Der Bericht des Monterey-Institutes bringt zwar einige überzeugende Indizien, aber keine letztendlichen Beweise für die Behauptung, dass der Pockenausbruch auf einen Biowaffen-Versuch zurückgeht. Andere Wissenschaftler wollen nicht ausschließen, dass die Pocken seinerzeit aus Afghanistan eingeschleppt wurden oder einen anderweitigen natürlichen Ursprung hatten. 3. Biowaffen als zentrale Begründung für neue Erstschlagsdoktrin in den USA Nach einer im Juni veröffentlichten neuen Doktrin schließen die USA die Möglichkeit eines nuklearen Erstschlags nicht mehr aus. Nach der Doktrin wären nukleare Erstschläge das letztmögliche Mittel, die besonders gegen biologischen Waffen eingesetzt würden, da diese am besten mit einer Nuklearexplosion zerstört werden könnten. Die US entwickeln derzeit auch konventionelle Sprengköpfe zur Zerstörung von unterirdischen Bunkern mit Biowaffen. Aber einige Bunker seien derart befestigt, dass für sie Nuklearwaffen benötigt würden. (Washington Post, June 10, 2002) 4. Exportkontrollen verstärkt - Tagung der "Australische Gruppe" am 3.-6. Juni Die "Australische Gruppe", ein informeller Zusammenschluss von vornehmlich OECD-Staaten zur Koordination von Exportkontrollen, hat auf dem jüngstem Jahrestreffen in Paris verschärfte Kontrollen für dual-use Güter im B- und C-Waffenbereich beschlossen (Pressemitteilung der Australischen Gruppe vom 7.6.). Unter anderem werden jetzt auch kleinere Fermenter (Anlagen zur Produktion von Biomaterial) und eine Reihe von Toxinen in die Exportkontrollen mit einbezogen. Zudem wurde erstmals auch "intangible information", also Wissen, das für Bio- und Chemiwaffenzwecke verwendete werden kann, mit in die Kontrollen einbezogen. Wie das genau aussehen soll, bleibt offen. Der Versuch der englischen Regierung, Kontrollen von "intangibles" einzurichten, stieß kürzlich auf heftige Proteste u.a. von Wissenschaftlern, die einen freie wissenschaftliche Diskussion gefährdet sahen. 5. Chemiewaffen-Angst in Indien war unbegründet Mitte Juni waren die Regenschauer in der Region westlich von Kalkutta für zwei Tage grünlich gefärbt - sofort entstand der Verdacht, dass chemische oder Toxin-Waffen die Ursache sein könnten. Es stellte sich jedoch heraus, dass es sich dabei nur um Bienenkot handelte. In einem ähnlichen Vorfall war 1981 die damalige Sowjetunion des Einsatzes von Chemiewaffen an der Grenze zwischen Laos und Cambodia verdächtigt worden, als dort der berüchtigte "yellow rain" herunterkam. Auch dabei handelte es sich um Bienenkot. (New Scientist, 22. Juni 2002) 6. Robert Koch-Institut richtet Informationsstelle Biowaffen ein Das Robert Koch-Institut ist derzeit dabei, ein Fachgebiet "Informationsstelle Bioterrorismus und Biologische Sicherheit" (IBBS) einzurichten. Dort sollen künftig wohl einerseits fundierte Informationen über Bedrohungsszenarien und tatsächliche Risiken überhaupt einmal erst erarbeitet werden und andererseits eine Information der betroffenen Behörden sowie der Öffentlichkeit sichergestellt werden. 7. Milzbrandbriefe
Die kolumbianische Tageszeitung El Espectador berichtete am 4. Juni 2002 über den Fund einer Gas-Bombe, die mit menschlichen Fäkalien versetzt war. Mit einer solchen Bombe würde neben den direkten Schäden durch die Explosion wahrscheinlich auch Infektionen durch die Mikroorganismen in den Fäkalien ausgelöst werden. Laut El Espectador handelte es sich bei der Bombe, die an einer Straße ca. eine halbe Stunde außerhalbs Bogotas gefunden wurde, um ein Produkt der bewaffneten Gruppe FARC, die wohl bereits häufiger Gas-Bomben eingesetzt hat. Nach Polizeiangaben sei dies jedoch der erste Fall gewesen, dass die FARC Fäkalien eingesetzt hat. 9. Diverses
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