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Biowaffen-Telegramm Nr. 5
Valium als Waffe .... USDA schließt Labors für Ausländer... WHO ändert Pocken-Politik .... Neues über Material zerstörende Biowaffen ..... Bioterror-Alarmsystem erfolgreich während der Olympiade getestet .... New Yorker Trinkwasser angreifbar .... 4,6 Milliarden $ gegen Bioterrorismus .... Milzbrandbriefe ... Kranke Soldaten in Afghanistan: keine Biowaffen .... |
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Sunshine-Project - Erstellt mit Mitteln der Berghof Stiftung
26. Mai 2002 |
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| 1. Valium als Waffe - trotz Verbot durch Chemiewaffen-Konvention Am heutigen 26. Mai hat der britische "Observer" Informationen über Valium-Forschung der US-Militärs veröffentlicht. Die USA haben offensichtlich ein Interesse an nicht-tödlichen chemischen Waffen. Ähnlich wie bei den Material zerstörenden Mikroben (s. Punkt 4) sind auch diese Chemikalien nach internationalem Recht für den Einsatz im Krieg verboten. Über diese Frage ist es auch zu einem offenen Konflikt zwischen den USA und Großbritannien gekommen, da die britische Regierung den Einsatz von Valium oder anderen sedierenden Drogen als Verstoß gegen die Chemiewaffen-Konvention ansieht, während die US-Regierung eine andere Position bezieht. Mehr hier beim Observer. 2. US-Landwirtschaftsbehörde schließt Labors für ausländische Forscher Aus Furcht vor Bioterroristen wird das US Department of Agriculture (USDA) für auswärtige Forscher und Studenten künftig keine Arbeitsvisa mehr beantragen. Rund 200 ausländische Wissenschaftler arbeiten derzeit in den Laboren des Agricultural Research Service (ARS) des USDA. Diese Regelung wurde am 12. April vom ARS-Geschäftsführer Edward Knipling verkündet. Diese neue Politik folgte auf eine Untersuchung des US-Justizministeriums, nach der drei Wissenschaftler, die ein Arbeitsvisum für ein USDA-Labor beantragt hatten, ein Sicherheitsrisiko darstellten. Die Regelung stößt auf heftigste Kritik in der US-amerikanischen scientific community (Science, 10.5. 2002, S. 996). 3. WHO ändert Politik: Pockenstämme sollen nicht vernichtet werden Am 18. Mai hat die Generalversammlung der WHO eine jahrzehntelange Position zu den Restbeständen an Pockenviren geändert. Aufgrund der Bedrohung durch bioterroristische Anschläge wurde jetzt einer weiteren Forschung an Pockenviren zur Entwicklung von Impfstoffen und Behandlungsmethoden zugestimmt. Die Restbestände in je einem russischen und US-amerikanischen Labor werden bis auf weiteres nicht vernichtet, es wurde auch keine zeitliche Begrenzung für diese neue Regelung beschlossen. (AP, 18.5.2002) 4. Neue Entwicklungen in Sachen Material zerstörende Biowaffen in den USA Das Sunshine Project in den USA hat Unterlagen über möglicherweise illegale Forschungsprojekte an das US-Justizministerium übergeben und eine Strafverfolgung aller beteiligten Personen gefordert, die gegen den "Biological Weapons Anti-Terrorism Act" von 1989 verstoßen haben. Übergeben wurden drei Forschungsanträge über Material zerstörende Biowaffen, zwei davon wurden bereits am 8. Mai vom Sunshine Project veröffentlicht, ein dritter ist jetzt dazugekommen. Siehe dazu unten im Anhang die Presseerklärung des Sunshine Project vom 24. Mai. Unterdessen hat ein US-Militärsprecher gegenüber Journalisten bestritten, dass Material zerstörende Biowaffen entwickelt würden (siehe hier). Diesbezügliche Forschungsanträge, die das Sunshine Project Anfang Mai veröffentlichten, seien abgelehnt worden . Diese Aussage ist insofern zweifelhaft, als diese Forschungsanträge der Nationalen Akademie der Wissenschaften zur Begutachtung vorgelegt wurden - ein ungewöhnlicher Schritt, wenn sie schon abgelehnt gewesen wären.. Während der olympischen Winterspiele und der Paralympics arbeitete in Utah ein System namens "Real-time Outbreak and Disease Surveillance" (RODS), das automatisch die Krankendaten von ca. Dreiviertel aller Patienten in "acute care facilities" (vgl. Notfallaufnahmen/Ambulanzen) in der Gegend um Salt Lake City zusammenführte. RODS verfolgte sowohl die Gesamtzahl aller Patienten sowie sieben spezifische Symptome auf virale Erkrankungen, Atembeschwerden, Enzephalitis, Durchfall, Hautausschlag, Blutungen und Boulinum-Symptome. Sobald die Zahl eines bestimmten Symptoms die statistisch zu erwartende Zahl überstieg, wurde ein Alarm ausgelöst. Dies passierte nur zwei Mal im Beobachtungszeitraum: Am 19. Februar wurden sieben Fälle eine viralen Erkrankung gemeldet (anstelle der erwarteten 6,69), und am 3. März wurden 33 Fälle mit Blutungen gemeldet (anstelle der erwartetetn 29,34 Fälle). Quelle: Bio-Terrorism.Info, 20. 5. 2002 6. Trinkwassersystem New Yorks angreifbar Nach einem Bericht der Washington Post ( 20.5.2002) ist das Trinkwasser von 9 Millionen New Yorkern nicht ausreichend gegen Angriffe mit biologischen und chemischen Waffen gesichert. Diese habe eine Untersuchung ergeben. Danach werden mehr als die Hälfte der staatlichen Richtlinien zum Schutz des Trinkwassers in New York überhaupt nicht eingehalten. In Deutschland ist nach unserem Wissen ein derartige Untersuchung noch gar nicht durchgeführt worden. Mehr hier bei der Washington Post. 7. US-Senat beschließt 4,6 Milliarden schweres Programm gegen Biowaffen Am 23. Mai beschloss der US-Senat mit 98 zu 0 Stimmen ein "bioterrorism bill", der 4,6 Milliarden US-Dollar für die Einlagerung von Impfstoffen und Medikamenten, die Verbesserung der Lebensmittelkontrolle sowie die Erhöhung der Trinkwasser-Sicherheit bereitstellen soll. Allein 640 Mio. US-Dollar sind für Pocken-Impfstoffe vorgesehen. (AP, 23.5.2002)
Mitte Mai erkrankten ca. 29 britische Soldaten in einem Krankenhaus in Bagram, Afghanistan. Zunächst war eine Enzephalitis vermutet worden, es stellte sich jedoch später als Gastroenteritis heraus. Dabei waren definitiv keine Biowaffen im Spiel, es zeigte sich letztendlich, dass der Virus ("winter vomiting bug" oder "Norwalk like virus") identisch ist mit einem Erreger, der im letzten Winter in England grassierte. (ProMed-Mail 18.5.2002 und 24.5.2002) 9. Milzbrandbriefe - genetischer Fingerabdruck Anfang Mai veröffentlichte Science online eine Studie zum genetischen Fingerabdruck der Milzbrandsporen in den Briefen im Vergleich zu verschiedenen Laborstämmen. Die Ergebnisse waren eher enttäuschend, einige Laborstämme ließen sich nicht unterscheiden. Zunächst wurden nur Milzbrandlinien aus 4 Labors untersucht, mindestens 11 weitere sollen noch folgen. Es bleibt abzuwarten, ob der genetische Fingerabdruck wenigstens einige davon als Herkunft der Milzbrandbriefe ausschließen kann (Science 10.5.2002, S. 1002) 10. Diverses Die US-Armee hat in den 1960er Jahren Sprühversuche mit Nervengasen, Toxinen und Bakterien über mehreren Schiffen durchgeführt, berichtete die New York Times am 24. 5. 2002. Ein Fact Sheet des US-Verteidigungsministeriums über diese Versuche mit dem Namen "Project SHAD" ist hier erhältlich 11. Anhang - The Sunshine Project News Release - 24 May 2002 US Department of Justice Receives "Non-Lethal" Biological Weapons Documents (Austin and Hamburg, 24 May 2002) - Three Pentagon documents proposing development of offensive biological weapons have been turned over to the US Department of Justice, the US government law enforcement agency. Two of the documents are from the US Naval Research Laboratory and the US Air Force's Armstrong Laboratory. These two documents propose anti-materiel biological weapons and were described in the Sunshine Project's news release of May 8. On May 10th, in response to a Sunshine Project request, the National Academies of Science (NAS) released another US government proposal for offensive anti-material biological weapons. The third proposal is from the Idaho National Engineering Laboratory (INEL). The three documents have been turned over to the US Department of Justice (DOJ) accompanied by letters from the Sunshine Project requesting United States Attorney action pursuant to the Biological Weapons Anti-Terrorism Act of 1989. The Third Biological Weapons Proposal: On May 10th, the National Academies released "Biofouling and Biocorrosion", a 1994 document from the National Security Programs Office of the Idaho National Engineering Laboratory (INEL), a facility of the US Department of Energy. In the paper, INEL proposes US development of offensive biological weapons that destroy materials. Like the Air Force and Navy proposals discussed on May 8th, the INEL document has recently been distributed to government officials by the Marine Corps-directed Joint Non-Lethal Weapons Program (JNLWP) and in 2001 was submitted for consideration by the National Academy of Sciences Panel "An Assessment of Non-lethal Weapons Science and Technology" (NAS Study NSBX-L-00-05-A). In "Biofouling and Biocorrosion", INEL specifically proposes "selection of particularly active [microbe] strains" and "consideration of genetic techniques for further optimization and control". INEL also proposes "investigation of probable scenarios for [microbe] employment" and development of "organisms with faster rates of degradation and production of fouling agents, as well as novel methods for introducing the organisms to their targets." This proposal is available on the Sunshine Project website for independent analysis. US Attorney Contacted: In two letters, one on 16 May and another on 23 May, the Sunshine Project has provided copies of three documents to Mr. Johnny Sutton, the United States Attorney for the Western District of Texas. They are: "Biofouling and Biocorrosion" (INEL, Idaho Falls, ID), "Enhanced Degradation of Military Materiel" (US Naval Research Laboratory, Washington, DC), and "Anti-Materiel Biocatalysts and Sensors" (Armstrong Laboratory, Brooks Air Force Base, San Antonio, TX). Letters accompany the documents requesting Department of Justice action pursuant to the Biological Weapons Anti-Terrorism Act of 1989. The Biological Weapons Anti-Terrorism Act of 1989 is the US law that implements the Biological and Toxin Weapons Convention (BTWC), to which the United States is a contracting party. The Act was passed unanimously by both houses of the US Congress and signed into law by President George Bush, Sr. It creates a general prohibition punishable by imprisonment and/or civil penalties on the development, production, stockpiling, transfer, acquisition, or possession of biological weapons (Section 175), and permits the United States Attorney to seek injunctions against preparation, solicitation, attempt, or conspiracy to engage in prohibited conduct (Section 177). The Act defines biological agents to include anti-material agents, specifically including those that cause deterioration of food, water, equipment, supplies, or material of any kind (Section 178). CONTACTS: Edward Hammond, Austin TX, USA, +1 512 494 0545 Jan van Aken, Hamburg, Germany, +49 40 431 88 001
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