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Biowaffen-Telegramm Nr. 38 30. April 2005 Pocken ... Laborunfälle ... Irak ... Genographic Project ... Rizin |
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- Erstellt mit Mitteln des Greenpeace Magazins -
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Lesestoff:
1. Internationale Kampagne gegen Gentechnik mit Pockenviren - erster Erfolg Am 4. April haben mehrere internationale Organisationen - darunter auch das Sunshine Project - eine Kampagne gegen gentechnische Versuche mit Pockenviren gestartet (mehr unter www.smallpoxbiosafety.org, dort sind auch Informationen auf deutsch verfügbar). Seitdem haben mehr als 1000 Personen und Organisationen aus über 50 Ländern Briefe an die Weltgesundheitsorganisation WHO geschickt und sie aufgefordert, die letzten verbliebenen Bestände an Pockenviren in russischen und US-amerikanischen Labors zu vernichten, anstatt jetzt die Forschung an Pockenviren weiter auszuweiten und sogar weit reichende gentechnische Versuche mit den Viren zu erlauben. Wir möchten auch Sie bitten, eine Email an die WHO zu senden (falls Sie das nicht schon getan haben) und in Ihrem Umfeld für die Kampagne zu werben. Unter www.smallpoxbiosafety.org können Sie in drei simplen Schritten in nur 2 Minuten einen vorbereiteten Brief an den Generaldirektor der WHO abschicken. Schon in gut zwei Wochen wird die World Health Assembly (WHA) in Genf zusammenkommen und über die gentechnischen Pockenversuche entscheiden. Hier können Sie auch eine Email an das Gesundheitsministerium schicken, das die Bundesregierung bei der WHA vertreten wird. Ein erster Erfolg lässt sich bereits verbuchen: der Generaldirektor der WHO hat sich gegen einen Teil der zur Diskussion stehenden Versuche ausgesprochen. In einem am 14. April veröffentlichten Bericht in Vorbereitung der World Health Assembly empfiehlt er - aufgrund von Sicherheitsbedenken ("biosafety and biosecurity concerns") - das Einführen von Pocken-Genen in andere, verwandte Viren noch einmal zu überdenken. Der Bericht des WHO Direktors kann hier eingesehen werden. 2. Laborunfälle I: Gefährliche Grippeviren verschickt Weltweites Aufsehen erregte in den vergangenen Tagen die Nachricht, dass Test-Kits, die einen gefährlichen Grippevirus enthielten, an tausende Labore innerhalb und außerhalb der USA verschickt worden waren - Zeitungsmeldungen zufolge waren ca. 4000 Labore in den USA, 14 in Kanada und 61 Labore in 18 weiteren Ländern, darunter auch Deutschland, betroffen. Bei dem Grippevirus handelte es sich um den Erreger der Asiatischen Grippe (H2N2), der zwischen 1957 und 1967 zahlreiche Epidemien auslöste und Millionen von Menschen tötete. 1968 wurde H2N2 durch einen anderen Grippestamm abgelöst und trat seitdem nicht mehr in Erscheinung. Menschen die nach 1968 geboren wurden, haben deshalb keine oder nur geringe Immunität gegenüber dem H2N2-Virus. Die Test-Kits, die der routinemäßigen Überprüfung der Laborlizenzen dienen, befanden sich bereits seit einem halben Jahr im Umlauf, bevor ein kanadisches Labor mehr oder weniger zufällig entdeckte, dass sie den Erreger der Asiatischen Grippe enthielten. Die WHO, die am 26. März von dem Vorfall unterrichtet wurde, forderte alle Labore, die entsprechende Test-Kits erhalten hatten, auf, diese sofort zu vernichten. Ein WHO-Sprecher äußerte besorgt, es könne durchaus vorkommen, dass sich ein Labormitarbeiter anstecke und damit eine Epidemie auslöse. Normalerweise werden die Test-Kits mit aktuellen Grippestämmen bestückt. Bislang ist völlig ungeklärt, warum das Unternehmen Meridian Biosciences Inc. den gefährlichen H2N2-Virus wählte. Mittlerweile sollen alle Test-Kits außerhalb der USA und auch die meisten der in den USA im Umlauf befindlichen Test-Kits vernichtet worden sein. Eine Ansteckung ist bislang nicht bekannt geworden. (Quelle) Laborunfälle II: Wissenschaftler infizierten sich im Labor mit Tuberkulose - defekte Aerosol-Kammer ist schuld Eine undichte Aerosol-Kammer ist verantwortlich für drei Tuberkuloseinfektionen, die in einem Labor der Sicherheitsstufe 3 in Seattle im letzten Jahr auftraten. Bei der defekten Aerosol-Kammer handelt es sich um eine Standardausführung, hergestellt von der University of Wisconsin in Madison. Es befinden sich derzeit rund 20 weitere solche Kammern im Einsatz - in den USA, Indien, Neuseeland und Nordirland. Zumindest in den USA werden sie auch im Rahmen der Biowaffen-Abwehrforschung eingesetzt. Der Vorfall wurde jetzt erst durch das Sunshine Project aufgedeckt. Mehr dazu in unserer (englischen) Presseerklärung vom 18. April 2005. 3. USA schließen Untersuchung des irakischen Waffenprogramms endgültig ab Mit einem jetzt veröffentlichten Nachtrag zu dem bereits im Sepember 2004 erschienenen vorläufigen Abschlussbericht hat die ISG, die US-geführte Untersuchungskommission im Irak, ihre Arbeit endgültig beendet. Für den Biowaffenbereich haben sich demnach in den vergangenen Monaten keine neuen Erkenntnisse ergeben - im Nachtrag wird ausdrücklich festgehalten, dass es keine Hinweise darauf gibt, dass heute noch Restbestände von Iraks früheren Biowaffen (aus der Zeit vor 1991) existieren, und falls doch, wären sie mittlerweile nicht mehr funktionsfähig. Der Leiter der ISG, Charles Duelfer, weist ausdrücklich Verdächtigungen zurück, dass der Irak möglicherweise vor dem Krieg Massenvernichtungswaffen nach Syrien verschafft haben könnte. Dafür gebe es keinerlei Hinweise. Bemerkenswert ist auch, dass Duelfer die Freilassung von WissenschaftlerInnen fordert, die an den früheren Waffenprogrammen beteiligt waren und jetzt noch in US-Haft im Irak sind. Viele von ihnen hätten gut mit der ISG kooperiert. Der Nachtrag "Addendums to the Comprehensive Report of the Special Advisor to the DCI on Iraq's WMD" vom März 2005 kann hier heruntergeladen werden. 4. Neues Human Genome Diversity Project - Industrie untersucht genetische Vielfalt des Menschen Die National Geographic Society hat in Kooperation mit IBM ein 5-Jahres-Projekt zur Erstellung einer Genealogie der Weltbevölkerung gestartet. Im Rahmen des "Genographic Project" genannten Unterfangens sollen 100 000 Blutproben von Angehörigen indigener Völker weltweit gesammelt und genetisch analysiert werden. Laut gemeinsamer Presseerklärung der beteiligten Unternehmen geht es darum, Migrationswege unserer frühen Vorfahren nachzuzeichnen und Beziehungen sowie Unterschiede zwischen verschiedenen Bevölkerungsgruppen zu verstehen. (Quelle) Ein ähnliches Projekt wurde von Bevölkerungsgenetikern bereits 1991 unter dem Namen "Human Genome Diversity Project" (HGDP) vorgeschlagen - nachdem ihm die öffentliche Unterstützung wegen seines rassistischen Beigeschmacks entzogen wurde, jedoch nur in sehr kleinem Maßstab durchgeführt. Das damals zu Recht kritisierte HGDP wird nun unter anderem Namen, offensichtlich uneingeschränkt in privatwirtschaftlicher Regie durchgeführt werden. (New York Times, 13.04.2005) Die dabei generierten bevölkerungsgenetischen Daten könnten auch für die Entwicklung ethnischer Waffen relevant sein. Mehr zu dieser Gefahr kann in einem Beitrag des Sunshine Project über Ethnowaffen nachgelesen werden. 5. Londoner "Rizin-Komplott" hat sich in Luft aufgelöst Das im Januar 2003 in London vermeintlich aufgedeckte "Rizin-Komplott" hat es nie gegeben. Eine Jury sprach nun alle bis auf einen der sieben als Terroristen verdächtigten Personen frei. Sie waren nach einer Reihe von Hausdurchsuchungen im September 2002 und Januar 2003 - wobei in einer der durchsuchten Wohnungen angeblich Rizin gefunden worden war - verhaftet und beschuldigt worden, einen Rizinanschlag in London geplant zu haben. Darüber hinaus wurden ihnen Verbindungen zu Al Qaida und in den Irak unterstellt. Colin Powell benutzte auch diese nunmehr unhaltbare Geschichte in seiner Rede vor dem UN-Sicherheitsrat am 5. Februar 2003 als ein Argument für den Irak-Krieg. Mittlerweile ist bekannt geworden, dass bereits wenige Tage nach dem vermeintlichen Rizin-Fund klar war, dass es sich um einen falsch positiven Befund gehandelt hatte. Diese Information wurde jedoch offensichtlich zurück gehalten. Mehr hierzu in Beiträgen auf www.globalsecurity.org vom 11.04.2005 sowie 13.04.2005). 6. Diverses
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