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Biowaffen-Telegramm Nr. 35 25. Januar 2005 Angriff unter der Gürtellinie ... Irak: Waffensuche beendet ... Afghanistan: Sprüheinsatz gegen Opiumfelder ... Biowaffen-Konvention ... Tularämieinfektionen ... |
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- Erstellt mit Mitteln des Greenpeace Magazins -
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Veröffentlichungen:
1. Angriff unter der Gürtellinie - bizarre C-Waffen-Ideen des Pentagon Anfang Januar sorgte ein Forschungsvorhaben der US Air Force in den USA für Schlagzeilen. In dem Forschungsantrag von 1994 mit dem Titel "Harassing, Annoying, and 'Bad Guy' Identifying Chemicals" wird die Entwicklung einer Reihe von bizarr anmutenden, nicht-tödlichen Chemiewaffen vorgeschlagen - zum Beispiel die Entwicklung eines starken Aphrodisiakums, das homosexuelles Verhalten unter den gegnerischen Soldaten auslösen soll. Dieser Forschungsantrag wurde im Dezember vom Sunshine Project zusammen mit anderen Original-Dokumenten aus dem US-Chemiewaffenprogramm im Netz veröffentlicht (einsehbar hier). Sprecher des US-Verteidigungsministeriums sowie des Joint Non-Lethal Weapons Directorate (JNLWD) bestätigten mittlerweile, dass es diesen Antrag zwar gegeben habe, er sei jedoch nie ernst genommen und sofort abgelehnt worden. Dies entspricht nicht den Tatsachen: Noch im Jahr 2000 warb das JNLWD auf einer CD für Militär- und Regierungskreise unter anderem mit genau diesem Forschungsvorhaben für die verstärkte Entwicklung von nicht-tödlichen Waffen. Und auch noch 2001 findet sich "Harassing, Annoying, and'Bad Guy' Identifying" unter einer Reihe von Vorschlägen für neue Waffensysteme, die vom JNLWD der National Academy of Science (NAS) zur Begutachtung vorgelegt wurden. Wir wissen nicht, ob dieses Forschungsvorhaben tatsächlich weiter verfolgt wurde. Wir wissen jedoch, dass die US-Militärs an der Entwicklung anderer, so genannter "nicht-tödlicher" Chemiewaffen arbeiten - zum Beispiel an Betäubungsgasen, ähnlich denen wie sie im Moskauer Geiseldrama eingesetzt wurden. Auch wenn "Viagra als Waffe" wahrscheinlich nicht wirklich funktioniert, Valium als Waffe befindet sich in den USA bereits in der Entwicklung. Generell besteht in Militärkreisen ein großes Interesse daran, nicht-tödliche Chemiewaffen zur Verfügung zu haben und offensichtlich auch eine hemmungslose Phantasie, was man mit solchen Waffen anstellen könnte. Solange diese Waffen nicht grundsätzlich geächtet werden, wie es die Chemiewaffen-Konvention verlangt, werden wir mehr und mehr mit Versuchen konfrontiert werden, auch das Verhalten des Gegners über chemische Waffen zu steuern. Weitere Informationen zum US-Chemiewaffenprogramm finden sie hier. US-Militär verweigert die Herausgabe einer vergleichenden Studie zu ethnisch spezifischen Wirkungen von chemischen Waffen Das Sunshine Project hat am 13. Januar gemeinsam mit einer anderen Organisation Einspruch dagegen eingelegt, dass die US-Militärs die Veröffentlichung eines Dokumentes verweigern, bei dem es um die Wirkung von biologischen und chemischen Waffen auf Menschen unterschiedlicher ethnischer oder geschlechtlicher Zugehörigkeit geht. Diese Experimente wurden von der US-Armee 1999 im Dugway Proving Ground in Utah durchgeführt. Die Veröffentlichung der Studie wurde vom Sunshine Project erstmals im August 2004 gefordert. Im darauf folgenden Dezember lehnte die US-Armee eine Herausgabe der Dokumente ab. Insbesondere die Experimente über ethnisch spezifische Wirkungen von Chemie- und Biowaffen müssen das Misstrauen anderer Länder wecken und lassen sich kaum mehr mit defensiven Erfordernissen rechtfertigen. Es muss offen gelegt werden, wie und warum solche Experimente durchgeführt wurden. Die Herstellung von Transparenz ist umso mehr geboten, als dass auf dem Dugway Proving Ground aktuell eine massive Ausweitung der US-Abwehrforschung zu biologischen und chemischen Waffen stattfindet. Besonders besorgniserregend ist, dass die US-Militärs selbst eingestehen, dass dort nicht nur chemische, sondern auch biologische Agenzien getestet wurden. Weitere Informationen finden Sie hier. Wie die Washington Post am 12. Januar meldete, hat die Iraq Survey Group (ISG) die Waffensuche im Irak im Dezember letzten Jahres endgültig eingestellt nach fast zwei Jahren vergeblicher Suche. Offiziell begründet wurde dies mit der Gewalt im Irak und der Tatsache, dass die Suche in den letzten Monaten zu keinen neuen Erkenntnissen geführt habe. Dem vorläufigen Bericht, den ISG-Chef Charles Duelfer im letzten Herbst gegeben habe, sei nichts Wesentliches hinzuzufügen. (Washington Post,12.01.2004) In der New York Times vom 13. Januar 2005 wird eine wichtige Schlussfolgerung gezogen: Die Tatsache, dass keine Massenvernichtungswaffen gefunden worden seien, beweise letztendlich, dass die Politik der Vereinten Nationen gegenüber dem Irak funktioniert habe. UN-Waffeninspektionen sowie Sanktionen hätten sicher gestellt, dass der Irak seine 1991 bereits zum größten Teil selbst zerstörten Bestände an Massenvernichtungswaffen in den Folgejahren nicht wieder habe aufbauen können. Ein Holländer soll zwischen 1984 1988 Tausende von Tonnen gefährlicher Chemikalien an den Irak geliefert haben. Sie dienten als Ausgangsstoffe für die Produktion von Chemiewaffen, die vom Irak unter anderem beim Giftgasangriff auf die kurdische Stadt Halabja eingesetzt worden waren. Der Verdächtigte ist am 6. Dezember verhaftet worden und wird laut Staatsanwaltschaft wegen der Beteiligung an Völkermord vor Gericht gestellt werden. (taz vom 8.12.2004) Unbekannte Flugzeuge sollen im Osten Afghanistans ohne Vorankündigung und Genehmigung der afghanischen Regierung Opium-Anbaugebiete mit Pestiziden besprüht und die Felder zerstört haben. Die afghanische Regierung habe dieses Vorgehen verurteilt. Eine Besprühung der Anbaugebiete mit Pestiziden sei nie autorisiert worden, die Aktion sei ein Angriff auf die Souveränität des Landes. Der Opiumanbau solle zwar gestoppt werden, aber zunächst müsse den Bauern Hilfe für die Umstellung auf andere Nutzpflanzen zuteil werden. Anfang Dezember habe Präsident Karzai die Botschafter Großbritanniens und der USA wegen des Vorfalls zu sich gerufen und um Aufklärung gebeten. Beide Länder hätten jedoch bestritten, darin verwickelt zu sein. Die USA, die den Flugraum über Afghanistan kontrollieren, hätten sich im Vorfeld für Sprüheinsätze gegen Opiumfelder ausgesprochen. (New York Times, 05.12.2004; Artikel im Netz auch hier einzusehen) Vom 6. - 10. Dezember fand ein Treffen der Vertragsstaaten des Biowaffen-Übereinkommens statt. In diesem Jahr standen die Themen Erkennung, Überwachung und Bekämpfung von Infektionskrankheiten sowie Möglichkeiten der internationalen Reaktion auf Vorwürfe des Einsatzes von Biowaffen oder verdächtige Ausbrüche von Infektionsgefahren auf dem Programm. Ein ausführlicher Bericht über den Verlauf der Konferenz findet sich in der Ausgabe Nr. 66 des CBW Conventions Bulletin vom Dezember 2004. Vor einigen Tagen wurde bekannt, dass sich 2004 insgesamt drei Wissenschaftler des Boston University Medical Center im Labor mit Tularämie (ein potentielles Biowaffen-Agens, auch bekannt unter dem Namen Hasenpest) infizierten und erkrankten. Die Vorfälle wurden vor der Öffentlichkeit geheim gehalten und kamen erst jetzt durch Pressenachfragen ans Licht. Eine besondere Brisanz erhält die Geheimniskrämerei dadurch, dass im Rahmen des massiven Ausbaus der Biowaffen-Abwehrforschung in den USA ein neues Hochsicherheitslabor der Stufe 4 an der Boston University entstehen soll. Lokale Kritiker des Projekts sehen sich nun in ihrer Befürchtung bestätigt, dass die Universität auch zukünftig keinen offenen Umgang mit den potentiellen Gefahren einer solchen Einrichtung für die Bevölkerung pflegen wird. Zudem bleiben die Umstände, unter denen es zu diesen Infektionen kam, weiterhin undurchschaubar. Zwei Wissenschaftler erkrankten bereits im Mai 2004, nach Angaben der Universität wurde damals überhaupt nicht an eine mögliche Tularämieinfektion gedacht. Erst als im September ein weiterer Wissenschaftler erkrankte, ist man offensichtlich aufgewacht. Im Oktober stand die Diagnose fest, dass es sich in allen drei Fällen um Tularämieerkrankungen gehandelt hatte. Die Wissenschaftler sollen bei ihren Forschungen einige Sicherheitsvorkehrungen außer Acht gelassen haben, weil sie davon ausgingen, mit einer harmlosen Variante des Bakteriums zu arbeiten. Im Nachhinein wurde festgestellt, dass die Proben, mit denen sie arbeiteten, auch virulente Stämme enthielten. Wie es zu diesen Verunreinigungen kommen konnte, ist bislang nicht geklärt. (New Scientist, 20.01.2005; Washington Post, 22.01.2005) Das Sunshine Project hat jetzt verschiedene relevante Dokumente von den verantwortlichen Stellen angefordert, um mehr Licht in die Vorfälle zu bringen.
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