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Biowaffen-Telegramm Nr. 28 10. Mai 2004 USA: Zentrum zur Entwicklung von Biowaffen geplant ... Pentagon-Berater empfehlen "nicht-tödliche" C-Waffen ... UN-Resolution gegen Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen ... Laborsicherheit: SARS in China ... |
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Erstellt mit Mitteln des Greenpeace Magazins, der Berghof Stiftung für Konfliktforschung und der grassroots-foundation
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1. Defensivforschung á la Washington: Offensive Experimente an Biowaffen-Abwehrzentrum geplant Unter dem Deckmantel der Abwehrforschung soll in einem neuen "National Biodefense Analysis and Countermeasures Center" (NBACC) der USA Biowaffenforschung mit eindeutig offensivem Potential durchgeführt werden. Die Liste der Forschungsvorhaben - die zufällig in einer im Internet veröffentlichten Powerpoint-Präsentation des stellvertretenden Direktors des NBACC entdeckt wurde - sieht unter anderem die Arbeit an gentechnisch veränderten Erregern, Forschungen zur Umweltstabilität von Erregern, zur Verbreitungsdynamik von Aerosolen sowie zu neuen Formen der Ausbringung und waffenfähigen Aufbereitung von Erregern vor. Als explizite Aufgabe des NBACC wird das so genannte "Red Teaming" genannt - das heißt, man versetzt sich in die Rolle eines potentiellen Gegners und versucht all das vorwegzunehmen, was dieser sich an biologischen Waffen ausdenken könnte. Ganz praktisch bedeutet das nichts anderes als die systematische Entwicklung von biologischen Waffen - unter dem Etikett der defensiven Forschung. Bereits im September 2001 hatte die New York Times einige derart offensiv ausgerichtete Projekte der US Militärs veröffentlicht. Seinerzeit liefen diese gefährlichen Projekte noch im Geheimen ab - die Bush Administration macht es jetzt zur offiziellen Politik, das Verbot der offensiven Biowaffenforschung mit einem schlichten Verweis auf "Abwehrforschung" - die nach der Biowaffen-Konvention erlaubt ist - zu umgehen. Betriebe ein anderes Land solche Experimente, würden die USA nicht zögern, diesem Land die Entwicklung von Biowaffen vorzuwerfen. Die Durchführung solcher Forschungen, gekoppelt mit der Ablehnung jeglicher Verifikationsmaßnahmen für das Biowaffen-Übereinkommen durch die USA, schürt zudem das Misstrauen anderer Länder und erhöht die Gefahr eines neuen biologischen Wettrüstens. Die Powerpoint-Präsentation mit dem Titel "Leading Edge of Biodefense" des stellvertretenden Direktors des NBACC, LTC George Korch, war ursprünglich auf der Internetseite des "US Armed Forces Pest Management Board" veröffentlicht worden (wurde inzwischen dort gelöscht) und ist jetzt hier einsehbar. Einen informativen Artikel mit kritischen Stimmen gibt es in der Baltimore Sun vom 29. 04. 2004, . 2. Pentagon-Berater empfehlen Entwicklung neuer chemischer Waffen Das Defense Science Board, eines der einflussreichsten Beratergremien des Pentagons, empfiehlt in einem jüngst veröffentlichten Bericht die Entwicklung von betäubenden Gasen als strategische militärische Waffe gegen Führer von "Schurkenstaaten" und Terroristen. Die sogenannten "calmatives" - Betäubungsmittel oder andere psychoaktive Drogen - könnten sowohl für den gezielten Angriff auf Einzelpersonen als auch für den Einsatz gegen Menschenmengen genutzt werden. Je nach Dosierung haben sie auch eine tödliche Wirkung, wie im Herbst 2002 der Einsatz beim Moskauer Theater-Geiseldrama zeigte. Das Chemiewaffen-Übereinkommen (CWÜ) von 1993 verbietet demgegenüber jegliche Art von chemischen Waffen, ob nun tödliches Nervengas oder Betäubungsmittel. Das Defense Science Board ist sich der völkerrechtlichen Implikationen seiner Empfehlung durchaus bewusst und legt dem Pentagon nahe, über eine Aushöhlung und Schwächung des CWÜ nachzudenken. Mehr hierzu in einer gemeinsamen Presseerklärung vom Berliner Informationszentrum für Transatlantische Sicherheit (BITS) und dem Sunshine Project vom 16. April 2004. Der Bericht des Defense Science Board zu den "Future Strategic Strike Forces" kann hier heruntergeladen werden. Tödliches Tränengas 3. UN-Resolution gegen Massenvernichtungswaffen in den Händen nicht-staatlicher Akteure Der UN-Sicherheitsrat hat einstimmig eine Resolution verabschiedet, die verhindern soll, dass so genannte "nicht-staatliche Akteure" in den Besitz von chemischen, biologischen oder nuklearen Waffen gelangen können. Bisher gültige internationale Vereinbarungen gegen die Verbreitung von Massenvernichtungswaffen bezogen sich nur auf die staatliche Ebene. Die Resolution verpflichtet alle 191 Mitgliedsstaaten dazu, gesetzliche Voraussetzungen zu schaffen, um Produktion, Erwerb, Besitz, Entwicklung, Transport und Nutzung von Massenvernichtungswaffen durch Terroristen oder Schwarzmarkthändler zu verhindern. Ein erster Entwurf wurde von den USA im September letzten Jahres eingebracht. China hat erst zugestimmt, nachdem ein Passus, der das Aufbringen und die Durchsuchung von verdächtigen Schiffen auf hoher See erlaubt hätte - eine rechtlich außerordentlich umstrittene Praxis, die im Rahmen der von den USA initiierten "Proliferation Security Initiative" ausgeübt werden soll (siehe BW-Telegramm Nr. 19 zu Exportkontrollen) - aus dem Resolutionstext gestrichen wurde. (International Herald Tribune, 30. 04. 2004, ) 4. Neuer SARS-Ausbruch in China durch Infektionen im Labor Einem Bericht der Nature vom 27. April 2004 zufolge gibt es mittlerweile acht neue SARS-Verdachtsfälle in China. Als erste Person erkrankte am 25. März eine Wissenschaftlerin des Beijing Center for Disease Control and Prevention, in dem das SARS-Virus erforscht wird. Die sechs folgenden mutmaßlichen SARS-Infektionen lassen sich auf den Kontakt mit ihr zurückführen. Als achte Person erkrankte am 18. April eine weitere Wissenschaftlerin des Beijinger Labors. Über 900 Kontaktpersonen der bislang Erkrankten werden nun überwacht. Eine Überprüfung der Sicherheitsvorkehrungen des Labors wurde vom chinesischen Gesundheitsministerium und der WHO eingeleitet. Bereits im September und im Dezember letzten Jahres infizierten sich jeweils ein Wissenschaftler in einem Forschungslabor in Taiwan und einem Labor in Singapur mit dem SARS-Virus. 5. Diverses
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