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Biowaffen-Telegramm Nr. 12 14. Januar 2003 Irak ... Rizinfunde ... Pockenschutzimpfungen ... Killerpilze ... US-Richtlinien ... zivile Biowaffen-Task force ... impfresistentes Anthrax ... Milzbrandbriefe |
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Erstellt mit Mitteln der Berghof Stiftung |
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1. Irak Zum Irak gibt es wenig zu berichten, was nicht bereits umfassend in den Medien berichtet worden ist. Deshalb hier nur einige kurze Hinweise:
Am 27. Januar werden die UN-Inspektoren dem UN-Sicherheitsrat berichten, aber dies wird wohl (hoffentlich) nur ein Meilenstein - und nicht das Ende - der Inspektionen sein. Um überhaupt die Chance zu haben, mögliche Ungereimtheiten aufzudecken und ihnen nachzugehen, brauchen die Inspektoren noch sehr viel mehr Zeit. 2. Rizin-Fund in London Am 5. Januar nahm eine Anti-Terror-Einheit der britischen Polizei sechs Männer und eine Frau fest, nachdem sie Spuren des tödlichen Giftes Rizin bei ihnen gefunden hatte - laut New York Times vom 12. Januar haben vier der Männer inzwischen eine Anklage wegen Terrorismus und Besitzes einer chemischen Waffe erhalten. Der Fund sorgte für viel Aufregung bei den Medien und Regierungschef Tony Blair sah ihn als Beweis, wie real und gefährlich die Bedrohung durch den internationalen Terrorismus ist. Rizin ist jedoch eher eine Bio-Waffe für Anfänger und als Massenvernichtungswaffe kaum geeignet. In den 1990er Jahren wurde Rizin auch bei amerikanischen Nazigruppen gefunden, ohne dass gleich weltweiter Biowaffen-Alarm gegeben wurde. Mehr dazu bei Spiegel-Online. 3. USA beginnen mit Pockenschutzimpfungen Am 13. Dezember 2002 verkündete Präsident Bush die Einzelheiten eines neuen Pockenschutzimpfprogramms für die USA. Damit soll die Nation gegen befürchtete Terrorangriffe mit Pockenviren gewappnet werden. Das Impfprogramm sieht drei Phasen vor:
Das US-Militär begann noch am selben Tag mit den Impfungen. Und um die Moral der Truppe zu stärken, krempelte auch Präsident Bush die Ärmel hoch. Die Entscheidung der Bush-Regierung für die Wiedereinführung von Pockenschutzimpfungen in solch großem Umfang ist insbesondere im Gesundheitswesen stark umstritten. Die Impfung birgt zahlreiche Risiken und Nebenwirkungen. Bei einer Impfung von 11 Millionen Menschen, wie sie jetzt in den USA in den ersten beiden Impfphasen vorgesehen ist, muss bei über 150 Personen mit schweren Nebenwirkungen gerechnet werden, 10 - 20 Personen könnten daran sterben. Zudem dürfen bestimmte Personengruppen nicht geimpft werden, da sie als besonders gefährdet gelten: Menschen mit Immunschwächen, wie HIV-Positive, Chemotherapiepatienten, Organtransplantierte, aber auch Schwangere, Babys und Leute mit bestimmten Hauterkrankungen. Auch diejenigen, die mit solchen Personen zusammenleben, müssen wegen der damit verbundenen Ansteckungsgefahr von einer Impfung ausgenommen werden. In der ersten Impf-Woche bei der US-Army mussten demzufolge von 276 ausgewählten Soldaten, 102 (37 %) aus medizinischen Gründen von den Impfungen ausgenommen werden. In Israel, wo bereits mit Massenimpfungen begonnen wurde, lehnten mehr als die Hälfte von 42.000 ausgewählten MitarbeiterInnen aus dem Gesundheits- und Rettungsdienst die Pockenimpfung aus medizinischen oder anderen Gründen ab. (Los Angeles Times, 13. und 29. Dezember 2002; American Forces Press Service, 13. Dezember 2002; New York Times 13. Dezember 2002; Washington Post, 13., 14., 18. sowie 20. Dezember 2002) Das Robert-Koch-Institut fordert nun auch für Deutschland, sich auf Massenimpfungen zum Schutz gegen mögliche Terrorangriffe mit Pockenviren vorzubereiten. In einem von dem Institut erstellten Pocken-Alarm-Plan wird eine Drei-Phasen-Strategie empfohlen. Zuerst soll das medizinische Personals in fünf Kompetenzzentren für hochansteckende Erreger geimpft werden. Treten irgendwo auf der Welt Pocken auf, sollen in einem zweiten Schritt das gesamte medizinische Personal und die Mitarbeiter wichtiger Versorgungsbetriebe geimpft werden. Falls Pocken in Deutschland selbst auftauchen, ist als dritte Phase die Massenimpfung der mehr als 80 Millionen EinwohnerInnen vorgesehen. (Die Welt, 14. Januar 2003; Der Spiegel, 13. Januar 2003) 4. Neuer US-Vorstoß für den Einsatz von Biowaffen in Kolumbien Vertreter des US-Repräsentantenhauses, unterstützt vom US-State Department, forderten erneut den Einsatz von Biowaffen gegen Drogenpflanzen ("Agent Green") in Kolumbien. Nachdem das Projekt Mitte 2000 aufgrund von weltweiten Protesten zunächst aufgegeben wurde, halten hardliner in den USA die Zeit offensichtlich für gekommen, einen neuen Vorstoß zu wagen. Zur Vernichtung von Opium- und Kokafeldern sollen Pilze, die in Laboren der USA und in Usbekistan entwickelt wurden, mit Hilfe von Flugzeugen großflächig versprüht werden. Mehr dazu in einer Presseerklärung des Sunshine Project vom 17. Dezember 2002 unter. Umfangreiches Hintergrundmaterial zu Agent Green befindet sich hier. 5. Verschärfte Sicherheitsregeln für den Umgang mit gefährlichen Agenzien in den USA Das US-Ministerium für Gesundheit (Department of Health and Human Services/HHS) hat neue, verschärfte Sicherheitsregeln ("Interim Final Rules") für Labore und andere Institute, die mit sogenannten "select agents" arbeiten, veröffentlicht. Bei den "Select agents" handelt es sich um über 40 ausgewählte Krankheitserreger und Toxine, die nach heutigem Wissensstand die größte Bedrohung für die öffentliche Gesundheit darstellen. Alle Institutionen, die mit diesen gelisteten Agenzien arbeiten, sind verpflichtet, sich bei den Centers of Disease Control (CDC) registrieren zu lassen. Sie müssen genau über Besitz, Gebrauch und den Transfer dieser Agenzien Buch führen, strenge Sicherheitsvorkehrungen befolgen und mit unangemeldeten Kontrollen rechnen. Bei Nicht-Befolgung der neuen Regeln drohen empfindliche Strafen. Auch die einzelnen Mitarbeiter, die Zugang zu den Agenzien haben, müssen gemeldet werden und mit Überprüfungen ihrer Person rechnen. Dem aktuellen Stand der Meldungen zufolge erwartet man, dass 817 Institutionen mit rund 20 000 MitarbeiterInnen unter die neuen Regeln fallen werden. Ganz ähnlich lautende Regeln wurden gleichzeitig vom US-Landwirtschaftsministerium (Department of Agriculture / USDA) veröffentlicht. Sie betreffen Institutionen, die mit gelisteten Agenzien arbeiten, die eine Gefahr für Pflanzen und Tiere darstellen. Bis Anfang Februar können Kommentare zu den "Interim Final Rules" abgegeben werden, danach werden unter Berücksichtigung der eingegangenen Kommentare die "Final Rules" in Kraft treten. Hier die "Interim "Interim Final Rules" der CDC; hier die "Interim Final Rules" des USDA. 6. Zivile "task force" für die Opfer von ABC-Waffeneinsätzen Um zivilen Opfern des Einsatzes von Massenvernichtungswaffen schnell helfen zu können, muss man zunächst einmal genau wissen, welche Waffen tatsächlich eingesetzt wurden. Zur Zeit des Golfkriegs 1990 gab es eine Sondereinheit namens "Skorpion", die genau für diese Aufgabe vorgesehen war. Sie wurde gemeinsam vom "Schweizerischen Korps für Humanitäre Hilfe" (SKH) und der WHO gegründet, setzte sich aus circa 20 Spezialisten in Sachen Katastrophenhilfe zusammen - u. a. auch Experten für Atom-, Bio- und Chemiewaffen - und wäre im Bedarfsfall innerhalb von 24 Stunden an jedem Ort der Welt einsatzbereit gewesen. Als neutrale, vom UN-Generalsekretär entsandte Einheit hätte sie Ursache und Ausmaß der stattgefundenen Kontamination ermittelt und humanitäre Hilfsorganisationen wie das Rote Kreuz darüber informiert, ab wann ein Hilfseinsatz ohne Gefährdung der eigenen Helfer möglich gewesen wäre. Die Dienste von "Skorpion" wurden damals nicht benötigt und die Sondereinheit wurde nach Ende des Golfkriegs wieder aufgelöst. Einige Experten und Ex-Mitglieder der Einheit befürworten angesichts der neuen Kriegsgefahr im Golf eine Wiederbelebung der Einheit. 7. Russland hält genmanipuliertes Anthrax zurück Russische Wissenschaftler verfügen über einen genmanipulierten Milzbrandstamm, der gegen den heute vom US-Militär benutzten Impfstoff resistent sein könnte. Bereits 1997 sagte das Russische Staatliche Forschungszentrum für angewandte Mikrobiologie dem US-Verteidigungsministerium eine Probe des genmanipulierten Anthrax für eigene Studien zu, hat aber sein Versprechen bis heute angeblich wegen bestehender Exportrestriktionen - nicht eingelöst. US-Senator Richard Lugar fordert nun, den Druck auf Russland zu erhöhen. Die weitere Vergabe von Finanzhilfen an Russland im Rahmen des "Cooperative Threat Reduction Program" (für die Überführung des ehemaligen sowjetischen Biowaffenprogramms in eine friedlichen Zwecken dienende Bioindustrie) soll u. a. von einer besseren Kooperationsbereitschaft der Russen in dieser Sache abhängig gemacht werden. (Global Security Newswire, 17. Dezember 2002). Die besondere Brisanz dieses gentechnisch veränderten Milzbrandstammes liegt darin, dass er sehr wahrscheinlich die gängigen Impfstoffe umgehen könnte, während die russischen Wissenschaftler einen neuen Impfstoff entwickelt haben, der genau gegen diesen Stamm gerichtet ist. Ein Erreger, gegen den niemand geschützt ist, plus perfekter Eigenschutz ergibt eine sehr bedenkliche Offensivwaffe. 8. Milzbrandbriefe
9. Diverses
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