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Die renommierte Texas A&M Universität in den USA muss ab sofort alle Versuche mit gefährlichen Krankheitserregern einstellen. Mit diesem bislang einmaligen Schritt reagierten am Wochenende US-Bundesbehörden auf Enthüllungen des Sunshine Project, nach denen die Universität zwei schwere Unfälle in ihren Biowaffen-Labors vertuscht hatte. Im vergangenen Jahre hatten sich vier MitarbeiterInnen der Universität bei Versuchen mit Biowaffen-Erregern infiziert, eine davon erkrankte schwer. Obwohl gesetzlich dazu verpflichtet, hatte die Universität die Unfälle seinerzeit nicht der Kontrollbehörde CDC (Centers for Disease Control) gemeldet. Bislang galt die Texas A&M als ein Top-Anwärter für das neue zentrale Biowaffen-Labor der US-Regierung.
Der erste Unfall ereignete sich am 9. Februar 2006: Forscher hatten in einer Nebelkammer innerhalb eines Hochsicherheitslabor eine Brühe mit hochinfektiösen Brucella-Bakterien versprüht, eine Bakterienart, die als potentielle Biowaffe gilt und deshalb auf der US-Liste der besonders gefährlichen Erreger steht. Zur Reinigung der Kammer kletterte eine Mitarbeiterin teilweise in die Kammer. Kurz darauf meldete sie sich für mehrere Wochen krank, Monate später wurde bei ihr Brucellose diagnostiziert. Nach einem Monat intensiver Antibiotika-Behandlung erholte sie sich wieder von der Infektion. Interne Emails belegen, dass die Verantwortlichen der Texas A&M sich bewusst waren, dass ein derart schwerer Unfall sofort den CDC gemeldet werden muss. Trotzdem haben sie seinerzeit keine Meldung abgegeben.
Gut einen Monat später muss sich der nächste Unfall ereignet haben: Am 3. April wurde bei drei Mitarbeitern eine Infektion mit Q-Fieber festgestellt, ein weiteres Bakterium, dass auf der US-Liste der potentiellen Biowaffen-Erreger steht. Bis heute ist nicht öffentlich bekannt, wie genau es zu dieser Infektion gekommen ist. Die Tatsache allerdings, dass sich an einem Tag drei Forscher gleichzeitig in einem Labor auf Q-Fieber testen lassen, deutet darauf hin, dass es einen Unfall während eines Experimentes mit diesen Bakterien gegeben haben muss.
"Momentan scheint von den amerikanischen Biowaffen-Labors eine größere Gefahr auszugehen als vom Bioterrorismus," sagt Jan van Aken vom Sunshine Project. " Forscher, die derart schwere Unfälle nicht als Warnsignal betrachten, sondern sie mit viel krimineller Energie vertuschen, sind eine Gefahr für ihre Umwelt. Es ist zu befürchten, dass die Texas A&M nur die Spitze des Eisberges ist und auch anderswo im Kampf um Forschungsgelder gepfuscht und vertuscht wird".
Ein Jahr lang hatte das Sunshine Project recherchiert und mit juristischen Mitteln eine Herausgabe von Unterlagen zu Versuchen mit gefährlichen Erregern an der Texas A&M erstritten. Einen ersten Teilerfolg erzielte das Sunshine Project im April diesen Jahres, als die Universität den ersten Unfall eingestehen musste, entsprechende interne Emails veröffentlichte und - mit einem Jahr Verspätung - den Unfall den CDC meldete. Vergangene Woche musste die Universität weitere Unterlagen zur Verfügung stellen, die den zweiten Unfall belegten. Damit war das Maß für die CDC offensichtlich voll, am Samstag letzter Woche (30. Juni 2007) teilten sie der Universität schriftlich mit, dass ab sofort alle Versuche mit gelisteten gefährlichen Krankheitserregern eingestellt werden müssen. Insgesamt fünf Labore mit 120 MitarbeiterInnen sind bis auf weiteres geschlossen. Der Universität drohen jetzt hohe Geldstrafen - mindestens 1.5 Millionen US-Dollar - sowie ein Entzug aller Biowaffen-Forschung.
Alle Originaldokumente von der Texas A&M, die dem Sunshine Project vorliegen, finden sich hier auf der Webseite unsere US-Kollegen.
Weitere Informationen finden Sie in unserem Archiv
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