Sie befinden sich: Infos > 2004 >04_01_29_Hutton
Letzte Aktualisierung: Thursday, January 29, 2004


Lord Huttons Gefälligkeitsgutachten

Bericht zum Tod von David Kelly stellt Persilschein für die britische Regierung aus

29. Januar 2004

Am 28. Januar 2004 veröffentlichte Lordrichter Hutton in London das Ergebnis seiner Untersuchung der Umstände, die zum Tod des Biowaffen-Experten und UN-Inspektors David Kelly geführt haben. Der vollständige Bericht ist hier einzusehen.

Lord Hutton hat in seinem Bericht der britischen Regierung einen derart umfassenden und lückenlosen Persilschein ausgestellt, dass sich die Frage nach der Glaubwürdigkeit der gesamten Untersuchung stellt. Besonders zwei Punkte sind aus unserer Sicht fragwürdig:

1) In der Zusammenfassung des Berichtes (hier) rechtfertigt Lord Hutton unter Punkt (4)(A)(ii), dass das Verteidigungsministerium den Namen David Kellys veröffentlicht hat. Dies sei, so Lord Hutton, keine verdeckte Strategie gewesen, sondern 'beruhte auf der Ansicht, dass in einer solchen öffentlichkeitswirksamen Angelegenheit es nicht sinnvoll wäre, zu versuchen, den Namen zu verheimlichen', da die Presse den Namen über kurz oder lang doch herausfinden würde. Diese Erkärung ist mehr als dürftig, da es einerseits für ein Ministerium und ausgerechnet das Verteidigungsministerium keine ungewöhnliche Übung wäre, derartige Mediennachfragen ohne Kommentar abzuweisen. Zum anderen hätte diese Sichtweise vorab mit David Kelly abgesprochen werden müssen. Selbst für die Tatsache, dass das Verteidigungsministerium David Kelly nach Veröffentlichung seines Namens erst verspätet informiert und nicht unterstützt hat, findet der Hutton Bericht noch Entschuldigungen. Dieser Punkt ist deshalb so gravierend, weil Lord Hutton in seinem Bericht auch einen direkten Zusammenhang zwischen der Veröffentlichung des Namens von David Kelly und dessen späteren Tod herstellt.

2) Lord Hutton stellt fest, dass die Behauptung, der Irak können binnen 45 Minuten Massenvernichtungswaffen einsetzen, nur deshalb nicht im ersten Entwurf des britischen Irak Dossiers erschienen ist, weil diese Information noch nicht vorlag. Unter Absatz 466 (1) (iii) heißt es im Hutton Bericht: Der Grund, warum die 45 Minuten Behauptung erst am 5. September in einem Entwurf des Dossiers erschien, liegt darin, dass die entsprechende Geheimdienstinformation erst am 29. August 2002 vorlag und die Zuständigen keine Zeit hatten, diese Information vor dem 5. September 2002 in den Bericht einzuarbeiten. Es bleibt unklar in dem Hutton Bericht, warum eine Woche Zeit nicht ausreichend sein sollte, eine solche Information zu verarbeiten.

Insgesamt gesehen bleibt hier der bittere Nachgeschmack eines Gefälligkeitsgutachtens für Tony Blair und seine Regierung.


Weitere Informationen finden Sie in unserem Archiv
zurück zur letzten Seite

Top