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Letzte Aktualisierung: Tuesday, October 21, 2003

Sunshine Project - Presseerklärung - 9. Oktober 2003

Tödlicher Grippestamm von 1918

gentechnisch wiederbelebt

US-Armeeforscher konstruieren Virus der "Spanischen Grippe" im Labor - Medizinischer Nutzen fragwürdig

Hamburg/Austin, 9. Oktober 2003 - Die "Spanische Grippe", die 1918 zwischen 20 und 40 Millionen Menschen das Leben kostete, wird wieder zum Leben erweckt. Mehrere Gene des außergewöhlich tödlichen Grippevirus von 1918 wurden bereits isoliert und in heutige Grippestämme eingeschleust. Derart gentechnisch zusammengesetzte Viren waren im Tierversuch tödlich für Mäuse, während Viren mit Genen aus heutigen Grippestämmen den Mäusen gar nichts anhaben konnten. Diese Versuche könnten leicht auch für militärische Zwecke missbraucht werden - ein sinnvoller medizinischer Nutzen ist jedoch nicht zu erkennen.

Die Spanische Grippe 1918 war hochansteckend und tötete im Vergleich zu heutigen Grippeviren einen ungewöhnlich hohen Anteil der Infizierten, darunter auch viele jüngere Menschen. Die Spanische Grippe allein sorgte dafür, dass 1918 die durchschnittliche Lebenserwartung in den USA um fast 10 Jahre sank. Grippeviren werden deshalb heute als mögliche biologische Waffen sehr ernst genommen, erst vor zwei Wochen wurden in den USA 15 Millionen Dollar Forschungsgelder bewilligt, um einen Schutz speziell gegen bioterroristische Angriffe mit Grippeviren zu entwickeln.

Trotz der besonderen Gefährlichkeit dieses Virus begannen Mitte der 1990er Jahre Versuche, es wieder zum Leben zu erwecken. Dr. Jeffery Taubenberger vom US Armed Forces Institute of Pathology konnte aus Gewebeproben von Opfern der Spanischen Grippe Virusteile isolieren und einen Teil der Gensequenz des Virus ermitteln. In der aktuellen Ausgabe des Fachjournals Emerging Infectious Diseases wird ein weiterer Artikel von Taubenbergers Team über die Gensequenz der Spanischen Grippe erscheinen.

Nachdem die Gensequenz des Virus (teilweise) bekannt war, gingen die Wissenschaftler noch einen Schritt weiter und begannen, das Virus gentechnisch wieder zum Leben zu erwecken. Von der Weltöffentlichkeit unbemerkt, vermeldeten sie im vergangenen Oktober Erfolg: Ein künstliches Virus mit zwei Genen aus dem Spanischen Grippevirus zeigte eine verheerende Wirkung im Tierversuch. Mit diesem Experiment ist es erstmals gelungen, die tödlichen Eigenschaften der Spanischen Grippe in Teilen wieder zu beleben.

Es gibt kaum einen vernünftigen wissenschaftlichen Grund für diese Experimente. Nach Aussage der beteiligten Wissenschaftler war es Ziel der Versuche, die Effektivität heutiger Grippemedikamente gegenüber dem Stamm von 1918 zu testen. Ohne die vorherige künstliche Wiederbelebung dieses Virus würde sich das Problem jedoch gar nicht stellen. "Es ist völlig widersinnig, einen gefährlichen Erreger künstlich herzustellen, nur um dann eine Behandlung dagegen zu entwickeln. Unvorstellbar, was passiert, wenn dieses Virus in die falschen Hände gerät", sagt Dr. Jan van Aken, Biologe vom Sunshine Project in Hamburg. "Die genetische Analyse von Grippestämmen hat ohne Zweifel eine wichtige Bedeutung für die medizinische Grundlagenforschung. Aber das rechtfertigt nicht, ausgerechnet den gefährlichsten aller Grippestämme, der zudem seit langem ausgestorben ist, wieder zu beleben."

Die Rekonstruktion des Virus wird bereits als Argument für eine intensivierte Biowaffen-Abwehrforschung benutzt. "Das ist ein selbt gemachter Teufelskreis," warnt Edward Hammond vom US-amerikanischen Büro des Sunshine Project. "Derartige Forschung löst ein Wettrennen um die gentechnische Herstellung möglichst gefährlicher Viren und Bakterien aus - und um die Forschungsgelder zur Bekämpfung dieser hausgemachten Erreger."

Aus der Sicht der Rüstungskontrolle ist es zudem äußerst sensitiv, wenn sich ausgerechnet Militärforscher daran beteiligen, einen außergewöhnlich gefährlichen Krankheitserreger wieder zum Leben zu erwecken. "Wenn Jeffery Taubenberger in einem chinesischen, russischen oder iranischen Labor arbeiten würde, könnte in seinen Arbeiten auch der berühmte rauchende Colt, die 'smoking gun' für ein offensives Biowaffen-Programm gesehen werden," sagt Hammond.

Für weitere Informationen zur Wiederbelebung der Spanischen Grippe finden Sie hier ein dreiseitiges Hintergrundpapier des Sunshine Project. Außerdem können Sie die aktuelle Broschüre des Sunshine Project über Gentechnik und Biologische Waffen bei uns bestellen, schicken Sie einfach ein Email an info@sunshine-project.de.

Kontakt: Sabine Schupp, 0441/957 27 54 oder schupp@sunshine-project.de


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