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Letzte Aktualisierung: Tuesday, November 04, 2003
Milzbrandbriefe

Im September und Oktober 2001 sind in den USA vier Briefe voller tödlicher Milzbrandsporen per Post verschickt worden. Zwei Monate später waren fünf Menschen tot. 17 weitere haben eine Infektion überlebt, über 5000 Menschen mussten vorsorglich medizinisch behandelt werden. Es war der größte und spektakulärste Terroranschlag mit biologischen Waffen seit den Anfängen der Mikrobiologie.

Das FBI ermittelt seitdem ebenso fieberhaft wie erfolglos. Heute gilt die Untersuchung mit dem Codenamen "Amerithrax" als eine der größten in der Geschichte der amerikanischen Bundespolizei. Doch möglicherweise werden die Urheber der Milzbrandbriefe für immer im Dunkeln bleiben. Die Ermittler stochern hilflos in einem Sumpf aus Geheimhaltung herum, in dessen Zentrum das amerikanische Biowaffen-Programm steht.

Schon früh deutete vieles darauf hin, dass die Milzbrandsporen aus amerikanischer Produktion stammen und eines gilt heute als unzweifelhaft: Der oder die Täter haben ihr Handwerk beim amerikanischen Militär gelernt. Indizien dafür lieferten unter anderem der genetische Fingerabdruck der Sporen, die chemische Analyse des Pulvers und vor allem dessen äußerst feine Qualität. Eine Billion Milzbrandsporen fanden die Ermittler in einem Gramm - in dieser Reinheit kann kein Feld-Wald-und-Wiesen-Biologe Milzbrand in getrockneter Form herstellen.

Der Täter musste offensichtlich Zugang zum Know-how aus dem amerikanischen Biowaffen-Programm gehabt haben, Zugang zu entsprechenden Laboren und vor allem Zugang zu einer Impfung gegen Milzbrand - andernfalls hätte er sich zwangsläufig selbst infiziert.

Immer noch im Zentrum des FBI-Interesses steht der Wissenschaftler Steven J. Hatfill. Sein schillernder Lebenslauf und viele indirekte Indizien haben ihn verdächtig gemacht. Jedoch wurde gegen ihn bislang kein einziger solider Beweis vorgelegt.

Weitere Informationen, Texte und Presseerklärungen zum Thema:

- Viele, jeweils aktuelle Meldungen finden Sie auch in unseren Biowaffen-Telegrammen -

24. August 2002 - Artikel über die Milzbrandbriefe
Die Milzbrandbriefe, das FBI und das amerikanische Biowaffenprogramm.

15. August 2002 - Chronologie der Milzbrandbriefe
Am 18. September 2001 wurden die ersten Milzbrandbriefe in den USA losgeschickt. Wir haben eine Chronologie der Ereignisse bis zum 14. 8. 2002 und eine kurze Beschreibung des Hauptverdächtigen, Steven J. Hatfill, zusammengestellt.

1. Juli 2002 - Milzbrandbriefe - das FBI nennt einen Namen
Dr. Steven J. Hatfill im Visier der Ermittler

16. Juni 2002 - Neues von den Milzbrandbriefen
Prof. Barbara Rosenberg veröffentlicht neue Informationen und entwirft ein beunruhigendes Szenario

20. Dezember 2001 - Mögliche Quellen der Milzbrandbriefe
Ein Labor der US-Armee produzierte in den vergangenen Jahren getrocknetes, feines Milzbrandpulver. Und ein genetischer Fingerabdruck deutet bislang daraufhin, dass nur fünf Laboratorien "genetische Zwillinge" der Sporen aus den tödlichen Briefen besitzen.

15. Oktober 2001 - Milzbrand-Attacken: Was nun?
Über Panik, Pest und Politik
Warum Sie eher vom Blitz getroffen werden als vom Milzbrand.
Ein Kommentar des Sunshine-Project



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