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Letzte Aktualisierung: Friday, August 25, 2006
Die vergessenen Opfer des Bakterienkrieges
Wang Xuan

Eine Frau kämpft für die Opfer

Wang Xuan ist eine Berühmtheit in China, erst kürzlich wurde sie von einem chinesischen Magazin zu einer der zehn einflussreichsten Frauen Chinas gewählt. Man bewundert sie, die Intellektuelle aus Shanghai, für ihren kompromisslosen Einsatz für die Opfer in der Provinz. Tatsächlich wäre ohne ihren unermüdlichen und uneigennützigen Einsatz die Klage in Tokio nie so weit gekommen. Ihr ist es zu verdanken, dass die Sache der Opfer mittlerweile in ganz China große Beachtung findet.

Die Familie von Wang Xuan stammt aus Chongshan, dem Dorf in der Region Yiwu, das Anfang der 1940er Jahre am härtesten unter der Pest gelitten hat. Als sie 1994 hörte, dass die Dorfbewohner eine Klage in Japan anstrengen wollten, lebte sei gerade mit ihrem Mann in Japan. Sofort bot sie an, den Kontakt zwischen dem Dorf und den japanischen Friedensaktivisten zu halten.
Wang Xuan, hier im Tempel des Gottes für Landwirtschaft und Medizin in Quzhou, in dem 1940 Pestkranke untergebracht waren.
Foto: Matthias ZIegler

Als Einzige sprach sie sowohl Japanisch als auch den örtlichen Dialekt von Chongshan, den schon wenige Kilometer weiter kaum jemand mehr versteht.

Was sich aus westlicher Sicht nach einem nahe liegenden Freundschaftsdienst anhört, war damals ein riskanter Drahtseilakt für Wang Xuan. 1994 noch hatte die chinesische Zentralregierung individuelle Proteste oder gar Klagen von chinesischen Opfern gegenüber Japan ausdrücklich verboten. Ihre Familie bedrängte sie, sich aus der Politik herauszuhalten, das könne nur Unglück bringen. Für Wang Xuan, die bis dahin noch nie politisch aktiv gewesen ist, war es aber keine rationale, diskutierbare Entscheidung. Man glaubt es ihr aufs Wort, wenn sie sagt, dass sie sich damals wie heute den Menschen in ihrem Dorf, den Opfern, zutiefst verpflichtet fühlt. Es gibt Dinge im Leben, sagt sie, zu denen kann man nicht nein sagen.

Ihr Bezugspunkt sind einzig und allein die Opfer. Sie schimpft über die Politisierung der Debatte, in der die Opfer zur Verhandlungsmasse der internationalen Diplomatie degradiert werden. Vor zehn Jahren noch bewegte sie sich am Rande der Legalität, heute ist sie Volksheldin, geduldet bis geachtet von der Zentralregierung, die mit dem wachsenden ökonomischen Erfolg der Volksrepublik China auch im Verhältnis zu Japan ein neues Selbstbewusstsein entwickelt und einen neuen Umgang mit den Kriegsverbrechen von damals einfordert.

Für Wang Xuan ist es momentan die wichtigste Aufgabe, solide epidemiologische Daten zu erheben, denn nur so kann den Opfern zu ihrem Recht verholfen werden. Um überhaupt eine Chance vor Gericht zu haben, muss eine wasserdichte Beweiskette von den japanischen Biowaffen bis hin zu jedem einzelnen Opfer geführt werden. Dafür braucht es umfassende epidemiologische Daten, die die chinesische Regierung bis heute leider nicht erhoben hat. Bislang mussten die Opfergruppen in den einzelnen Regionen sich selbst darum kümmern, so wie die Bewohner von Chongshan ihre eigene epidemiologische Untersuchung durchgeführt hatten, oder wie Dr. Qiu in Quzhou auf eigene Faust über fünfzig Jahre die Daten zusammengetragen hat.

Teil 1: Der Pestangriff 1940 auf Quzhou - ein japanisches Flugzeug wirft infizierte Flöhe über der Stadt ab - über 5000 Menschen sterben allein in Quzhou - ein Augenzeuge berichtet - der Leiter der lokalen Gesundheitsbehörde sammelt akribisch alle epidemiologischen Daten - bis heute müssen die Ratten von Quzhou auf Pestbakterien untersucht werden.

Teil 2: Die 'rotten leg villages' - Hunderte Überlebende leiden bis heute unter schwärenden Wunden - vier Opfer berichten von den japanischen Angriffen und ihren lebenslangen Schmerzen.

Teil 3: Die Pestopfer von Chongshan klagen an - ein Drittel des Dorfes stirbt an der Pest - ein Überlebender berichtet - die Klage gegen die japanische Regierung - das offizielle Japan schweigt und schaut weg.


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