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Letzte Aktualisierung: Friday, August 25, 2006
Die vergessenen Opfer des Bakterienkrieges
Teil 2

Die 'Rotten Leg Villages'


Im Jahre 1942 fand die so genannte "Zhejiang-Jianxi-Operation" statt, ein Rachefeldzug der Japaner in Folge eines amerikanischen Bombenangriffes auf Tokio. Die amerikanischen Bomber hatten damals nicht genügend Sprit, um zurück zu amerikanischen Luftwaffenbasen zu fliegen, und landeten deshalb auf Flugfeldern in der Provinz Zhejiang, westlich von Shanghai.

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Um das in Zukunft zu verhindern, besetzten die Japaner die wichtigsten Städte entlang der Eisenbahnlinie Zhejiang-Jianxi und verfolgten eine Politik der verbrannten Erde in den Dörfern der Region. Dabei wurden auch verschiedenste biologische Waffen eingesetzt. In der Gegend um die Stadt Jinhua sind heute noch viele kleine Dörfer als "rotten leg villages" bekannt, weil dort immer noch Überlebende des Bakterienkrieges von 1942 wohnen, die nach wie vor unter offenen Wunden an den Beinen leiden.

Eine Behandlung der offenen Wunden ist kaum möglich, die Bakterien haben sich über die Jahre so tief in die Knochen gefressen, dass auch Antibiotika nicht mehr viel ausrichten können. Heute lässt sich kaum noch sagen, was ursprünglich die Infektion ausgelöst hat, andere Bakterien haben sich schon längst in den offenen Wunden festgesetzt. Wahrscheinlich waren es in den meisten Fällen Rotzbakterien, die bekannt dafür sind, derartig chronisch eiternde, sehr schmerzhafte Geschwüre zu verursachen.

Foto: Matthias Ziegler

Ruan Shufeng, im Dorf Caojie bei Jinhua

Ruang Shufeng war 1942 knapp 15 Jahre alt und wohnte in einem Dorf nahe Caojie. Seit seinem 12. Lebensjahr hat er als Friseur gearbeitet. Die Japaner kamen im April und brannten das gesamte Dorf nieder. Er floh in die nahe gelegenen Berge und blieb dort eine Nacht im strömenden Regen. Als er zurückkam, sah er, dass die Japaner alles zerstört, die Hühner und Schweine getötet hatten.

Einige Tage später fingen die Probleme mit seinem Bein an. Zuerst juckte es am linken Bein, er kratzte sich, die Wunde entzündete sich und begann zu faulen. Es war äußerst schmerzhaft, er konnte nur mit Schwierigkeiten gehen. Kurz darauf fing es auch rechts an. Während das linke Bein bald verheilte, peinigt ihn die offene Wunde am rechten Bein bis heute. Wenn er Geld hat, kauft er sich eine Antibiotikum-Salbe, die die Schmerzen ein wenig lindert.

Dai Zhaokai, im Dorf Caojie

In Caojie bekamen damals von 500 Einwohnern über 30 offene Wunden an den Beinen, aus allen Altergruppen. Als die Japaner ins Dorf kamen, arbeitete Dhai Zhaokai mit seinem Vater auf dem Feld, er war gerade mal 7 Jahre alt. Sie flohen in die Berge, wo sie zwei Monate lang in Höhlen hausen mussten. Sein Bein wurde im Frühjahr 1943 schlecht, also einige Monate, nachdem sie schon wieder zurück aus den Bergen waren.

Damals redete man schon über die Japaner als mögliche Ursache für die rotten leg disease, die das Dorf so schlimm getroffen hatte. Heute hasst er die Japaner "aus tiefstem Herzen für die 64 Jahre Folter", die er erleiden musste. Trotz des schlechten Beines konnte er in jungen Jahren noch einigermaßen gut auf den Feldern arbeiten, aber in der letzten Zeit wird es schlechter, er kann kaum noch gehen. Im April/Mai und August/September ist es besonders schlimm. Auch er hat vom Arzt im Krankenhaus eine Erythromycin-Salbe verschrieben bekommen, die winzige Tube kostet 1,5 Yuan (15 Eurocent), manchmal muss er sich das Geld dafür leihen.

Foto: Matthias Ziegler

Hu Guidi (links), im Dorf Caojie bei Jinhua

Als die Japaner kamen, war sie 14 Jahre alt. Sie versteckten sich für eine Nacht auf dem Friedhof, zwischen den Gräbern, dann sind sie mit der ganzen Familie in die Berge geflohen. Kurz nach ihrer Rückkehr nach Caojie entdeckte sie dann an ihrem Bein eine rote Pustel, es juckte, sie kratzte es auf, es fing an zu faulen. Fünf Mitglieder ihrer Familie bekamen offene Beine, auch ihr Vater und zwei Brüder, einer von ihnen starb daran.

Manchmal öffnet sich die Wunde wieder, dann wäscht sie sie mit heißem Salzwasser, das hilft und die Wunde schließt sich wieder. In der letzten Zeit ist es besser geworden, aber früher hat es ständig geeitert, sie konnte nicht auf den Feldern arbeiten, nur Hausarbeit machen. Wenn die Wunde offen ist, tut es sehr weh, und sie muss die Beine hochlegen, damit es besser wird.

Sie konnten damals gar nicht fassen, wie ihnen geschah. Im Dorf wurde darüber geredet, dass die Japaner Gift benutzt hätten. Heute sagt sie über die Japaner "es hilft nicht, zu hassen. Ich bin zornig, aber was kann ich schon machen, man kann nichts ändern".

Shen Yiyin, im Dorf Fangjia bei Jinhua

Als er 12 Jahre alt war, sah er eines Tages ein japanisches Flugzeug drei Bomben über seinem Dorf abwerfen. Zu der Zeit spielte er gerade draußen auf dem Feld. Er floh dann mit seiner Familie in die Berge, wo sie sich über einen Monat versteckten. Sie mussten auf dem nackten Boden schlafen, hatten aber ein weiser Voraussicht Reis von zu Hause mitgenommen, sodass sie wenigstens genug zu Essen hatten.

Ungefähr einen Monat, nachdem sie aus den Bergen in ihr Dorf zurückgekehrt waren, entdeckte er an seinem rechten Bein eine kleine, korngroße Blase. Sie wurde immer größer, brach auf und wurde im Laufe eines Jahres so schlimm, dass der Knochen zu sehen war. Er wurde dann operiert und ein Teil des Knochens wurde entfernt. Daraufhin schloss sich endlich die Wunde wieder, ist aber im Verlauf der Jahre und Jahrzehnte immer wieder aufgebrochen.

Foto: Matthias Ziegler

Momentan ist die Wunde geschlossen, sie juckt jedoch beständig. Nur kratzen darf man auf keinen Fall, die Haut muss heil bleiben, sonst fängt es sofort wieder an zu eitern.

In seinem Dorf bekamen nach den japanischen Angriffen 1942 mehr als ein Dutzend Bewohner (von insgesamt 400) offene Beine. Niemals zuvor gab es solch eine Krankheit im Dorf, er erinnert sich, dass sie damals dachten, die Japaner hätten Giftgas benutzt. "Die Japaner sind böse, sehr böse. Selbst der Himmel bekam es mit der Angst zu tun, als die Japaner damals kamen: es donnerte, blitzte und regnete so stark wie ich es nie zuvor in meinem Leben gesehen hatte."

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Wang Xuan - eine Frau kämpft für die Opfer


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