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Sie befinden sich: China > Teil 2: Rotten Leg Villages
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Die vergessenen Opfer des Bakterienkrieges
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Teil 2
Die 'Rotten Leg Villages'
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Um das in Zukunft zu verhindern, besetzten die Japaner die wichtigsten Städte entlang der Eisenbahnlinie Zhejiang-Jianxi und verfolgten eine Politik der verbrannten Erde in den Dörfern der Region. Dabei wurden auch verschiedenste biologische Waffen eingesetzt. In der Gegend um die Stadt Jinhua sind heute noch viele kleine Dörfer als "rotten leg villages" bekannt, weil dort immer noch Überlebende des Bakterienkrieges von 1942 wohnen, die nach wie vor unter offenen Wunden an den Beinen leiden. |
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Foto: Matthias Ziegler
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Ruan Shufeng, im Dorf Caojie bei Jinhua Ruang Shufeng war 1942 knapp 15 Jahre alt und wohnte in einem Dorf nahe Caojie. Seit seinem 12. Lebensjahr hat er als Friseur gearbeitet. Die Japaner kamen im April und brannten das gesamte Dorf nieder. Er floh in die nahe gelegenen Berge und blieb dort eine Nacht im strömenden Regen. Als er zurückkam, sah er, dass die Japaner alles zerstört, die Hühner und Schweine getötet hatten. |
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Dai Zhaokai, im Dorf Caojie In Caojie bekamen damals von 500 Einwohnern über 30 offene Wunden an den Beinen, aus allen Altergruppen. Als die Japaner ins Dorf kamen, arbeitete Dhai Zhaokai mit seinem Vater auf dem Feld, er war gerade mal 7 Jahre alt. Sie flohen in die Berge, wo sie zwei Monate lang in Höhlen hausen mussten. Sein Bein wurde im Frühjahr 1943 schlecht, also einige Monate, nachdem sie schon wieder zurück aus den Bergen waren. Damals redete man schon über die Japaner als mögliche Ursache für die rotten leg disease, die das Dorf so schlimm getroffen hatte. Heute hasst er die Japaner "aus tiefstem Herzen für die 64 Jahre Folter", die er erleiden musste. Trotz des schlechten Beines konnte er in jungen Jahren noch einigermaßen gut auf den Feldern arbeiten, aber in der letzten Zeit wird es schlechter, er kann kaum noch gehen. Im April/Mai und August/September ist es besonders schlimm. Auch er hat vom Arzt im Krankenhaus eine Erythromycin-Salbe verschrieben bekommen, die winzige Tube kostet 1,5 Yuan (15 Eurocent), manchmal muss er sich das Geld dafür leihen. |
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Foto: Matthias Ziegler
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Hu Guidi (links), im Dorf Caojie bei Jinhua Als die Japaner kamen, war sie 14 Jahre alt. Sie versteckten sich für eine Nacht auf dem Friedhof, zwischen den Gräbern, dann sind sie mit der ganzen Familie in die Berge geflohen. Kurz nach ihrer Rückkehr nach Caojie entdeckte sie dann an ihrem Bein eine rote Pustel, es juckte, sie kratzte es auf, es fing an zu faulen. Fünf Mitglieder ihrer Familie bekamen offene Beine, auch ihr Vater und zwei Brüder, einer von ihnen starb daran. Manchmal öffnet sich die Wunde wieder, dann wäscht sie sie mit heißem Salzwasser, das hilft und die Wunde schließt sich wieder. In der letzten Zeit ist es besser geworden, aber früher hat es ständig geeitert, sie konnte nicht auf den Feldern arbeiten, nur Hausarbeit machen. Wenn die Wunde offen ist, tut es sehr weh, und sie muss die Beine hochlegen, damit es besser wird. Sie konnten damals gar nicht fassen, wie ihnen geschah. Im Dorf wurde darüber geredet, dass die Japaner Gift benutzt hätten. Heute sagt sie über die Japaner "es hilft nicht, zu hassen. Ich bin zornig, aber was kann ich schon machen, man kann nichts ändern". |
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Shen Yiyin, im Dorf Fangjia bei Jinhua Als er 12 Jahre alt war, sah er eines Tages ein japanisches Flugzeug drei Bomben über seinem Dorf abwerfen. Zu der Zeit spielte er gerade draußen auf dem Feld. Er floh dann mit seiner Familie in die Berge, wo sie sich über einen Monat versteckten. Sie mussten auf dem nackten Boden schlafen, hatten aber ein weiser Voraussicht Reis von zu Hause mitgenommen, sodass sie wenigstens genug zu Essen hatten. Ungefähr einen Monat, nachdem sie aus den Bergen in ihr Dorf zurückgekehrt waren, entdeckte er an seinem rechten Bein eine kleine, korngroße Blase. Sie wurde immer größer, brach auf und wurde im Laufe eines Jahres so schlimm, dass der Knochen zu sehen war. Er wurde dann operiert und ein Teil des Knochens wurde entfernt. Daraufhin schloss sich endlich die Wunde wieder, ist aber im Verlauf der Jahre und Jahrzehnte immer wieder aufgebrochen. |
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Foto: Matthias Ziegler
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Momentan ist die Wunde geschlossen, sie juckt jedoch beständig. Nur kratzen darf man auf keinen Fall, die Haut muss heil bleiben, sonst fängt es sofort wieder an zu eitern. In seinem Dorf bekamen nach den japanischen Angriffen 1942 mehr als ein Dutzend Bewohner (von insgesamt 400) offene Beine. Niemals zuvor gab es solch eine Krankheit im Dorf, er erinnert sich, dass sie damals dachten, die Japaner hätten Giftgas benutzt. "Die Japaner sind böse, sehr böse. Selbst der Himmel bekam es mit der Angst zu tun, als die Japaner damals kamen: es donnerte, blitzte und regnete so stark wie ich es nie zuvor in meinem Leben gesehen hatte." |
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